Friday, February 3. 2012
Alzheimer mit Assauer
Kaum eine Nachrichtensendung, kaum ein Magazin ohne Assauers Alzheimer. Ich frage mich, ob wirklich so öffentlich gelebt werden muss?
Es soll viel Zustimmung von betroffenen Familien geben in der Art: endlich wird über diese Krankheit gesprochen! Wirklich endlich? Und: was hilft es diesen Familien? Es gibt so viele Kurse und Gesprächskreise, in denen man angeblich lernt, mit dieser Krankheit zu leben, mit betroffenen Angehörigen umzugehen. Und dann?
Dann ist man allein! Vor dem Fernseher: was siehst du da? - Monk! - Das ist nicht Monk, das ist irgendein Spielfilm. - Das ist Monk!!! - Nein, schau doch mal hier in der Fernsehzeitschrift: kein Monk, sondern der Film XY. - Tatsächlich. Aber guck mal, der Monk wird nicht mehr von einer Frau begleitet und hat auch seine Sauberkeitsmacke nicht mehr. - Du, das ist nicht Monk, sondern ein Spielfilm. - Ach ja, hast du ja recht. Steht ja auch in der Zeitung.
Ah ja, sie hat es verstanden. Bis zu dem Satz 3 Minuten später: guck mal, da ist Monk ...
Oder man wird morgens um 6 geweckt: Mami, irgendwas ist im Bad. Ja, sie liegt halb angezogen in der Badewanne, die Beine hängen über den Rand. Was machst du da? - Ich habe gebadet! - Das kann nicht sein, deine Bluse ist ja ganz trocken! - Irgendjemand hat mich in die Badewanne gesteckt!!! - Das kann erst recht nicht sein, weil wir ja geschlafen haben. Aber ist im Moment egal, komm raus.
Aber das geht nicht. Sie schafft es nicht. Allein bekomme ich sie auch nicht raus. Erst mit vereinten Kräften hieven wir sie aus der Wanne, ziehen sie ganz aus und bringen sie ins Bett. Gegen 11 Uhr kommt sie: warum habt ihr mich heute Nacht geschlagen? Mein Rücken tut so weh! - Wir haben dich nicht geschlagen. Du warst aus irgendeinem Grund halbangezogen in der Badewanne! - Nein, das stimmt nicht. Ihr habt mich geschlagen, sonst hätte ich nicht diese Schmerzen ...
Zwei kleine Beispiele aus meinem täglichen Leben mit einer Mutter, der vor 4 Wochen eine Neurologe bescheinigt hat, dass sie absolut normal sei und kein Alzheimer habe und auch nicht dement sei. Nach einem 5-Minuten-.Gespräch. Was sagen die Beratungsstellen dazu? Gehen sie unbedingt zu einem anderen Neurologen! Ach ja. Aber der erste hat hammerharte Medikamente verschrieben gehabt - auch nach einem 5-Minuten-Gespräch, drum waren wir ja jetzt bei einem anderen! Auch weil sie starke Magenbeschwerden von den Pillen bekommen hat und kaum noch geradeaus laufen konnte ... Tja, dann müssen sie noch zu einem anderen Arzt! - Klar, Neurologen gibt es ja wie Sand am Meer!
Nein! Ich will nicht mit dem sicher traurigen Schicksal des Herrn Assauer täglich konfrontiert werden! Für mich ist es pure Geschäftemacherei und es klingelt seine Kasse kräftig. Vielleicht stiftet er ja die Einnahmen der Alzheimer-Forschung? Dann hätte es wenigstens einen akzeptablen Hintergrund, dass hier wieder ein Prominenter sein Leben ausbreitet! Wobei es sicher viel schwerer ist, mit dieser Krankheit (wie mit jeder anderen auch!) ohne gut gepolstertes Bankkonto zu leben. Was die Masse der Erkrankten tun muss ...
Thursday, February 2. 2012
Geschmackssache ....
Frau Buntschuh stand mal wieder zweifelnd vor dem Obst- und Gemüseangebot ihres Discounters. Lebensmittelgeschäfte gab es schon lange nicht mehr in ihrer kleinen Stadt und schon gar keine extra Fachgeschäfte für Obst und Gemüse oder für Fisch oder sogar für Feinkost. Sie seufzte und gedachte eine lange Minute der längst vergangenen Zeiten, in denen sie zum Abendessen mal den leckeren Krabbensalat - vom Herrn Feinkost höchstpersönlich angerichtet und abgeschmeckt - oder das köstliche hausgeräucherte Forellenfilet der Familie de la Fisch auf den Tisch stellen konnte. Sie leckte sich die Lippen, meinte sie doch tatsächlich, sie würde das noch warme Krustenbrot aus der alten Backstube schmecken, auf dem gerade die leicht gesalzene Butter aus der Milchmann-Werkstatt leicht zerlief ... und darauf in dünnen Scheiben eine dunkelrote Tomate!
Nun aber stand sie genau vor diesen Tomaten und quälte sich. Cocktailtomaten, Rispentomaten, Flaschentomaten, Partytomaten, Cherrytomaten - die Artenvielfalt füllte die Hälfte der Theke. Theke? Frau Buntschuh überlegte. Dieser feine Sprühnebel, der sich da über das Obst und Gemüse verteilte, ob der wirklich so optimal war? Weiß der Geier, was da alles drin war. Irgendwie war sie sich sicher, dass das pure Augenwischerei war und ihr nur vorgaukeln sollte, dass die Ware absolut frisch sei. Feuchte Äpfel schrumpeln schließlich nicht und feuchte Tomaten faulen eher als trockene. So war sie also wieder bei ihrem Hauptproblem gelandet. Welche dieser roten Dinger sollten denn nun heute Abend den vom geliebten Gatten so heiß gewünschten Salat ergeben??? Ihr fiel ein, dass sie letztens im Fernsehen gesehen hatte, dass im hügellosen Nachbarland die Paradiesfrüchte ganz ohne Erde gezogen wurden. Nee, das kam ihr spanisch vor, dass ihr das schmecken würde und sie entschied, dass alle Tomaten aus eben diesem Land fein im Regal bleiben könnten. Blieben nur noch Rispentomaten aus Spanien übrig. Also - aaaber der Preis. Fast hätte Frau Buntschuh sich mitten im Laden hingesetzt. Aber dazu war ihr der Fußboden nicht sauber genug (Herr Feinkost wäre da schon drei Mal mit dem Schrubber durch!).
Frau Buntschuh ging bekümmert durch den Laden und entschied sich gegen Tomaten und für einen Obstsalat aus der Tiefkühltheke und - tja, sollte doch ihr Mann gucken, wie er damit zurecht kam.
Herr Buntschuh kam recht abgekämpft von der Arbeit heim und setzte sich erwartungsfroh an den Tisch, sah den Obstsalat und meinte schon recht mißmutig, ob er denn zwei Salate an einem Abend essen solle. Doch Frau Buntschuh strahlte ihn an und meinte, dass er den gewünschten Tomatensalat ganz sicher im Juni essen könne. Er müsse nur noch die Voraussetzungen schaffen und ein paar Kleinigkeiten besorgen für den Balkon - dazu legte sie ihm 2 Tütchen Tomatensamen, Sorte AusGroßmuttersGarten ...
Andere pflanzen, was ich essen soll. Ich pflanze, was andere essen mögen ... persisches Sprichwort
Thursday, January 26. 2012
Aufschreiben?
Mag so mancher ältere Mensch nicht mal denken: Was ich alles erlebt habe, getan habe und auch nicht getan habe ... wird es alles irgendwann vergessen sein? Die Antwort ist ganz klar: Ja !!! Da beißt das Mäuschen das Fädchen nicht ab. Ich finde das sehr schade, meine jedoch zu wissen, dass so mancher eine Scheu entwickelt hat, sich zu sehr zu erinnern. Ich schließe das ganz einfach mal aus den eigenen Erfahrungen mit meiner Mutter. Wie oft schon habe ich gebeten: setz dich doch mal hin und beschrifte die alten Photos mit den Namen - ja, klar, wird sie machen, so in ein- oder zweihundert Jahren. Ach nee, in dreihundert. Weil die ein- und zweihundert Jahre schon belegt sind durch das Schreibheft in der Schublade, in das sie ihre Erinnerungen nicht notiert.
Meine Großmutter hat immerhin zwei Hefte voller mehr unschöner Erinnerungen an die Tage des 2. Weltkrieges hinterlassen. Aber auch da fehlt zuviel. Weil wir es zu spät lesen durften und nicht mehr nachfragen konnten ...
Dabei sollten wir nicht unterschätzen, dass unsere Kinder und wohl mehr noch die Enkelkinder doch sehr interessiert sind an ihren Wurzeln, an den Leben der Generationen vor ihnen. Oft scheuen sie jedoch - Entschuldigung, wenn ich da mal wieder meine Erfahrungen mit meiner Tochter verallgemeinere ... - zu fragen. Da möchte sie wissen wie es so damals war mit Omi und Großpapa, gern auch etwas detaillierter bitteschön! Doch ebenso bitteschön nicht wieder das Beiwerk von den Nachkriegstagen zurück zu den Kriegstagen und so weiter. Sie möchte halt einfach wissen, wie irgendeine bestimmte Sache war und möchte nicht zum 100mal hören, was ihre Omi anscheinend so gern erzählt.
Irgendwie hat mich das jetzt auf die Idee gebracht, anzubieten: ich schreibe für Sie Ihre Lebenserinnerungen auf - damit Ihre Kinder und Enkelkinder Sie endlich kennen lernen!
Einige Treffen zum Erzählen lassen, zum Nachfragen - dann Schreiben, Lesen lassen, Weiterschreiben ...
Wäre das was? Falls das hier jemand lesen sollte - ich wäre sehr an Eurer Meinung interessiert!
Sunday, January 22. 2012
Von Karneval und anderen lustigen Sachen
Hier im Rheinland ist es wieder lustig (haha ...). Die fünfte Session steuert auf ihren Höhepunkt zu. Natürlich gibt es nun jedes Wochenende Sitzungen und Gala-Sitzungen und sonstige lustige Veranstaltungen. Dass sie bierernst genommen werden, habe ich gestern Abend wieder sehen können. Ich hatte Fahrdienst, da ich mich als Norddeutsche mit diesem speziellen rheinischen Frohsinn ohnehin etwas schwer tue. Und weil ich mich bereits in den letzten beiden Jahren nicht so wirklich amüsiert hatte, verzichtete ich auf die traditionelle Eintrittskarte zur Gala-Damensitzung des Traditionsvereins - wohin es natürlich meine Familie zog. Da mein Anni-fast-erwachsen-Kind eigentlich nur den Einmarsch erleben wollte und für den restlichen Abend andere Pläne hatte (zumal sie selbst nicht in eben diesem Traditionsverein Mitglied ist, weil das weibliche Wesen nicht sein dürfen und die dortigen Tanzgruppen nicht so wirklich ihren Vorstellungen von Tanzgruppen entsprechen ...), teilte sie die Karte mit ihrer Großmutter. Ich fuhr also meine Mutter gegen 20:30 Uhr zur Festhalle und hatte dort Probleme. Ich konnte nicht wenden - ein Fahrzeug kurz hinter mir fuhr in Millimeter-Geschwindigkeit die Straße entlang! Aber irgendwann hatte es doch die Einfahrt passiert, aus der ich wieder heraus wollte. Im Rückspiegel sah ich dann, dass auch dieses Auto mit einem langen Manöver die Fahrtrichtung wechselte - um dann irgendwann hinter mir - vor einer Garageneinfahrt parkte ...
Der Uniformierte, der ausstieg, geriet ins Stolpern. Dachte ich. Dann sah ich, dass das wohl momentan die einzige Gangart war, zu der er noch fähig war. Schlurfend und schwankend zog es ihn zum Eingang, wo seine roten Karnevalsfreunde ihn bereits erwarteten. Nur - sie waren alle mit dem Vereinsbus gekommen ...
In dem Moment fand der Wechsel auf meinem Beifahrersitz statt. Und es ergoss sich eine Tirade der übelsten Beschwerden über die humorigen und karnevalistischen Besucher der Sitzung über mich. Plätze werden an einem bestimmten Tisch nicht reserviert - nur der Tisch für jeweils 24 Personen ist fest geschrieben. Nun saßen wohl an dem meinen Damen zugewiesenen Tisch zwei Gruppen mit jeweils 10 Personen und ein Fotograf mit seiner Kameratasche, so dass 22 Plätze belegt waren. Die 2 freien Plätze befanden sich an den beiden Tischenden ... Der Bitte, doch so aufzurücken, dass nun 2 nebeneinander stehende Stühle hätten besetzt werden können, wurde trotz des Einsatzes des dafür zuständigen Herrn aus der Vereinsleitung nicht entsprochen - weil man ja wohl an so einem Abend nicht unbedingt zusammen sitzen müsse ... Bitte? Muss ich das verstehen? Muss das Irgendwer verstehen? Wahrscheinlich nur die, die über genügend rheinischen und karnevalistischen Humor können nachvollziehen, weshalb 2 Personen nicht zusammen sitzen dürfen, dafür aber 2 10er-Gruppen auf ihren Stühlen festpappen und eine Kameratasche einen Extra-Stuhl braucht ...
Eigentlich ist das alles auch kein Ding, über das frau sich aufregen kann. Weil es ganz einfach nur ihre Meinung festigt, dass besonders in diesem rheinischen stadtähnlichen Gebilde der Egoismus par excellence regiert und nur bestimmte Personen aus Familien, deren Mitglieder schon zu Zeiten der Neandertaler hier wohl gelebt haben müssen, sagen, wo es lang geht. Oder lang zu gehen hat ... Was bleibt, ist ein Anflug von Fremdschämen für Familie Meisenknödel und Co! Und halt die Erkenntnis:
Um Humor zu besitzen, muss man Geist haben ... (aus den Fliegenden Blättern)
Thursday, January 19. 2012
Gedanken zu Wulf(f)smenschen
Da habe ich lange überlegt, ob man einen amtierenden Präsidenten mit einem Tier vergleichen darf. Doch, Wolfmenschen sind honorige Leute. Denken wir an Tarzan (jaaa, der mit dem Affen und der blonden Jane ...) oder an Romulus und Remus - als Begründer Roms zwar von unbekannten, aber wohl nicht schlechten Eltern. Den letzten Ausschlag gab jedoch die große und weite Welt der Märchen, in denen Meister Isegrim seine Unwesen in unterschiedlichster Form treibt - ob als böser oder als listiger Wolf, der stets seinem Bauchgefühl gehorcht ..... aaaaaaaaaaaahhhh, da scheint doch die Gemeinsamkeit zu liegen! Höre auf deinen Bauch, handele danach und beklag dich nicht, wo du dann landest!
Stellen wir uns also Meister Isegrim in einem Fernsehinterview vor. Unangenehme Fragen wie etwa: wer hat besser geschmeckt: die Großmutter oder das Rotkäppchen? - ja, sie stellen unseren 4beinigen Freund nicht so vor das große Problem wie die Frage: war denn dein Rachen und dein Schlund wirklich soooo groß, dass du sie mit einem Happs runterschlingen konntest?
Och nein, würde er wahrscheinlich antworten, ich habe zu meinem eigenen Vergnügen so große Bedürfnisse, dass ich mit entsprechendem Training noch viel mehr mit einem Happs runter bekommen könnte. Und keiner von euch würde es merken, wären da nicht die gierigen Jäger, die mir den Bauch aufschneiden und in mir und meinem Leben rumwühlen würden! Neben Rotkäppchen und der Großmutter haben sie denn ja so manchen Kuchen und so manche Praline und auch so manchen Wein gefunden. Aber damit sie mit dem blödsinnigen Aufschneiden aufhören, werde ich mal alles aufschreiben und die Zettel an jeden Baum im Wald nageln, damit jeder es lesen kann!
So weit, so schlecht! Denn: hätte unser Wulf(s)mensch es aufgeschreiben im modernen Wald inet, vielleicht wäre dann Ruhe? Die Antworten im Interview nach dem Dem-Bauch-gehorchend-Motto haben es eigentlich verlangt. Aber so wird weiter geschnitten und lächerliche Upgrades auf Flüge und Hotelzimmer erlangen einen Stellenwert, der ihnen in keinster Weise gebührt. Auch so manch andere List wäre weniger schlimm gewesen, wäre sie geschickter verkauft worden. Doch so haben wir das alte Wort vom Wasser statt Wein predigen - und vom selber Champagner trinken!
Meister Isegrim hatte gelernt und sich öffnen lassen, Großmutter und Rotkäppchen der Welt geschenkt, sich selber mit Backsteinen begnügt und war davon geschlichen aus dem Wald. Ob auch unser Wulf(f)smensch lernt und der Welt - oder zumindest doch unserem Land - schenkt, dass Märchen immer ein gutes Ende nehmen müssen und er sich mit nicht zu knapper Pension statt bröckliger Backsteine davon schleicht - vielleicht in eine kleine Wirtschaftsposition mit großem Geld? Vielleicht ist ja im Bunga-Bunga-Land noch Platz - da hat ein menschlicher Isegrim doch schon ganz andere Sachen überlebt ...
Ansonsten? Ah ja:
Schlecht weht der Wind, der keinen Vorteil bringt. (Shakespear)



Kommentare
Thu, 02.02.2012 17:48
Das ist sicher eine sehr gute [...]
Sun, 15.01.2012 06:22
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Sun, 15.01.2012 04:31
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