Thursday, September 22. 2011
wie denn nur und nun?
Es gibt doch immer wieder Dinge, die mich so fassungslos machen, dass ich einfach verstumme und grübele - Dinge, die zwar mich betreffen, die aber so ein erschreckendes Abbild unserer Zeit liefern ...
Dass es einen horrenden Unterschied zwischen den sächsischen Schulen gibt und der hier in NRW, das habe ich wohl schon irgendwann mal geschrieben. Das ist auch bekannt und findet nicht zuletzt seinen Niederschlag in der Bewertung des Abiturs. Während das sächsische hoch anerkannt wird, gilt das aus NRW schon fast als Not-Abitur. Damit muss man leben, solange nicht endlich bei den hohen Herrschaften begriffen wird, dass dieses verhältnismässig kleine Land ein zentrales Bildungssystem braucht! Am besten unter bayrischer und sächsischer Anleitung ...
Aber nicht das erschüttert mich so. Sondern die Vorkommnisse der letzten Wochen. Und für mich stellt sich die Frage: darf der Direktor eines Gymnasiums lügen? Darf er aus Prinzipienreiterei Lehrer gegen Schüler / Eltern ausspielen? Doch der Reihe nach:
Noch vor den Sommerferien nahm ich mit dem Herrn Kontakt auf. Anni war wieder mal lange krank gewesen und zu der Zeit, in der die Gruppen für die Abschlussfahrten eingeteilt wurden, nicht in der Schule. Abgesehen von der Tatsache, dass die Schüler wohl eh nicht groß gefragt wurden, traf es sie mit ihrer Gruppe sehr unglücklich. Keiner dabei, den sie näher kannte, dem sie vertraute - all ihre wirklichen Freunde waren für Südfrankreich eingeteilt, sie für Norditalien. Also sprach ich mit dem Herrn, ob nicht ein Wechsel möglich sei, da es doch schon mal durch die Medikamentennebenwirkungen zu absoluten Tiefs bei Anni kommen kann - Tiefs, die ganz besonders 2 Mädchen aus der Frankreich-Gruppe kannten und die Anni da schon beigestanden hatten.
Ja, aber sicher! In so einem Fall, auch wenn ein Wechsel aus Prinzip nicht gestattet sei. Aber hier müsse man ja wohl eine Ausnahme machen - Anni solle schauen, dass sie einen Tauschpartner fände.
Anni fand ihn. Und präsentierte ihn. Nun ging es zur Sache - die Reisen seien gebucht. Umbuchungen würden zusätzliche Kosten verursachen und letztlich lehnten die leitenden Lehrer den Tausch ab - so der Herr Direktor!
Also rief ich ihn nach den Sommerferien nochmals an. Eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt - eine Woche vor Antritt der Fahrten - nur noch wissen, warum er nicht zu seinem mir gegebenen Wort gestanden hatte. Er zog mir sprichwörtlich die Schuhe aus mit der Mitteilung, dass er gar nicht mit mir reden müsse, da Anni schließlich volljährig sei und er aus Prinzip keinen Tausch gestattet hätte ...
Ich will es abkürzen - Kontakte mit Lehrern nach den Ferien ergaben dann:
- der Platz für Anni in Norditalien musste nachgebucht werden
- in der Frankreichgruppe blieben 2 Plätze leer ...
Zur Zeit ist Anni am Gardasee, in Spiazzi. Sie hat bisher Venedig und Verona gesehen - ein Besuch der Wallfahrtskirche ist nicht geplant ... kein weiterer Kommentar!
Ich glaube, Frau Buntschuh muss sich das alles mal durch den Kopf gehen lassen ... anders als mit Ironie und Galgenhumor sind engstirnige Bürokraten, die zudem noch auf junge Menschen losgelassen werden, wohl nicht zu verkraften!
Tuesday, August 23. 2011
Wo leben wir denn ?
Gestern besuchte Anni mit Freundin und deren Freund das wunderschöne Phantasialand. Bestes Wetter - nicht zu warm, kein Regen und, da Anfang der Woche, auch nicht zuviele Besucher, so dass sich die Wartezeiten an den Attraktionen wohl gut in Grenzen hielten. Irgendwann bekamen sie Hunger. Kein Problem in diesem Vergnügungspark, wo es an jeder Ecke wirklich gute Sachen gibt, die einfach jeden Geschmack treffen müssen - von den unvermeidlichen gefritteten Kartoffeln über frisch gebackene Waffeln hin zu frischestem Obstsalat und gebratenen Nudeln und anderen Leckereien mehr. So holten sich die jungen Leute je nach Geschmack ihr Essen und schlenderten weiter - bis aus einem Personaleingang in wohl auffälliger Weise ein junger Mann den Park betrat und wieder verliess und wieder betrat und irgendwie die Aufmerksamkeit meiner Drei auf sich zog. Plötzlich stand er vor Anni: 'gib mir dein Essen' ...
Anni weigerte sich - und er packte sie so am Oberarm, dass sie anfing zu schreien. Er liess nicht von ihr ab und forderte ihr Essen ... andere Besucher wurden aufmerksam, doch das kümmerte ihn nicht. Erst körperliche Attaken des Begleiters von Anni zwangen ihn zur Aufgabe und er verschwand wieder durch die Personaltür ...
Absolut geschockt brachen die Drei ihren Besuch ab und ebenso geschockt verfasste ich eine email an die Parkleitung. Denn wer das Phantasialand kennt, wird den Vorfall kaum glauben wollen. Neben der absoluten Sauberkeit ist doch auch das Gefühl, dass dort stets und ständig aufmerksames Personal zu finden ist, ein absoluter Pluspunkt für ihn.
Heute früh riefen sie an ... meine email wäre direkt der Geschäftsleitung vorgelegt worden und sie würden sich auch direkt um die Klärung kümmern. Wir würden auf jeden Fall weiteres hören! Gut und ein Dank für diese schnelle Reaktion an das Park-Team!
Mir geht es nicht darum, dass meine Tochter nun blaue Flecken am Oberarm hat - die Dinger holt sie sich beim Reiten und Tanzen zur Genüge. Mir geht es einfach darum: wer sich an junge Erwachsene in der Art und Weise heran macht, der macht wahrscheinlich auch anderes. Und in dem Park gibt es genügend Kinder - Eltern können ihre Augen nicht ständig auf ihrem Nachwuchs haben und ein winziger Moment genügt ... nicht weiter darüber nachdenken, nicht weiter ausmalen. Da wird jeder seine eigenen Gedanken bekommen. Nur erschreckt es mich, in welchen normalen Lebenssituationen heute keiner mehr sicher ist ... sicherlich sind Amokläufe heute schon fast an der Tagesordnung. Aber über sie liest man in der Zeitung, sieht Berichte im Fernsehen und von Überfällen hört man auch nur und erlebt sie nicht! Ich befürchte, dieses 'man erlebt das nicht' ist der größte Trugschluß, dem wir in unserer heutigen Zeit verfallen können! Dagegen hilft nicht: stehen bleiben und zugucken! Dagegen hilft: beherzt eingreifen - einer für den anderen muss da sein. Darum mein großer Dank an den jungen Mann für seinen Mut!
Mut, Mut, Mut, das fehlt dem sogenannten denkenden Wesen, dem Mensch - als denkendem Wesen - am meisten. Christian Morgenstern
Saturday, May 21. 2011
Caritativ sein ...
... und Geld für die gute Sache sammeln ist eine Seite. Die andere die, wie es gemacht wird. Ich hatte in dieser Woche einen sehr persönlichen Brief in der Post. Sehr wohlgesetzt die genutzte Schrift der Massenpost - täuschend echt als persönliche Mitteilung, natürlich mit direkter Namensanrede schildert eine Mutter das Leiden ihres Söhnchens, der an Mukoviszidose erkrankt ist. Wie sie an seinem Bettchen gesessen hat und andere belastende Momente. Dazu gibt es ein Hochglanzfoto von Mutter und Sohn auf dem Spielplatz, auf der Rückseite: J.... ist mein kleiner Engel! Wie von Hand geschrieben.
Selbstredend, dass auch direkt ein vorbereitetes Überweisungsformular für die erbetene Spende an den eingetragenen Verein zur Erforschung der Krankheit auffordert.
Ich habe mit dem Brief in der Hand da gesessen. Und die Wut stieg in mir hoch. Wie weit gehen eigentlich manche Leute, um an das Geld anderer zu kommen??? Mukoviszidose ist eine relativ häufig verbreitete Krankheit, um deren Erforschung sich viele Wissenschaftler bemühen und in deren Erforschung sowohl Steuergelder als auch erhebliche Gelder der Pharmaindustrie fließen.
Ich dachte an meine ewigen Stunden am Bett meiner Tochter. Daran, dass dieser verfluchte Morbus Wilson so selten ist, dass es sich nicht lohnt für die Industrie, großartig Forschungen zu betreiben und die Kranken auf 2 läppische Medikamente angewiesen sind, die erhebliche Nebenwirkungen haben. Ich dachte daran, dass letztlich mein eigenes wirtschaftliches Aus seine Grundlage in eben diesem verfluchten Morbus Wilson hat. Und ich dachte daran, dass es noch viele seltene Krankheiten gibt, die erforscht werden müssen, damit den Betroffenen geholfen werden kann wenn sie schon nicht geheilt werden können.
Würde jeder so ein auf die Tränendrüsen drückendes Pamphlet durch die Republik schicken, wir hätten wohl jeden Tag mindestens eins davon im Briefkasten. Denken die Verantwortlichen, die zu solchen Strategien greifen, eigentlich nicht daran, wo ihre billigen Bettelbriefe landen? Mitleidige Seelen, die einfach kein Geld zum Helfen haben. Schwerkranke, denen nicht geholfen werden kann. Eltern von kranken Kindern. Und so weiter.
Auch in einer rohen Zeit wie der unsrigen sollten gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Für mich gehört dazu, dass man nicht mit dem Leid von Kranken in dieser persönlichen Form und noch dazu mit einem Kinderbild eine Massensendung an die Post gibt. Mit dem - reduzierten - Porto könnte man das Forschungskonto vermutlich schon mal etwas anfüllen ...
Monday, July 26. 2010
Es ist da ...
Ich mag es nicht glauben: das wichtige Fetzchen Papier ist da, das in der nächsten Woche die Führerscheinprüfung in theoretischer Hinsicht ermöglicht und die Tür zum Autofahrerparadies öffnet. Und nun, wo es da ist, kann ich mich mal wieder nur wundern, mit welcher Unverschämtheit unsere Behörden in unsere Geldbeutel langen:
50 Eurönchen für die Fahrschule, 48 für das Straßenverkehrsamt und 110 für den TÜV - wohlgemerkt: nur für die theoretische Prüfung!
Im Endeffekt verdient die Fahrschule wohl noch am wenigsten an ihren Schülern.
Aber letztlich ist es ja mit allem so: was Vater Staat für uns tut, ist immens teuer. Einen Personalausweis brauchen theoretisch alle. Dank neuester Erfassungsmerkmale sind auch gleich fein die Preise hochgeschnellt. Keiner regt sich darüber auf - nur darüber, dass man auf den Fotos nicht lächeln darf. Den Sinn habe ich noch nicht verstanden, ist mir aber auch egal, weil alle Fotos von mir irgendwie bescheuert sind, egal, ob ich lächle oder nicht ...
Überhaupt dürfen wir gespannt sein, was da ab Herbst auf uns zukommt. Die Idee, den Hartz IV-Empfängern noch 25 qm Wohnraum zuzubilligen, finde ich schon recht lustig. Gibt es überhaupt Wohnungen in diesen Dimensionen? Hier ist es jedenfalls so: je kleiner die Wohnung, umso teurer ... Wie groß ist eigentlich die Zelle für Gewaltverbrecher? Ich meine, ich hätte mal gelesen, dass ein Schäferhund 10 qm braucht für seine artgerechte Haltung. Gibt es so ein Mindestmaß eigentlich auch für Menschen?
Uns gegenüber wohnt ein alleinstehender Mann über 70 auf gut 200 qm. Er hat neben seinem Haus noch ein Häuschen für seine ebenfalls alleinstehende Lebensgefährtin gebaut, geschätzte 130 qm. 2 Leutchen haben Wohnraum, auf den nach staatlichem Ermessen gut 13 Bürger passen, denen meist das Schicksal einen üblen Streich gespielt hat. Weitere böse Streiche müssen da nicht noch sein! Irgendwie tröstlich, dass dieses häßliche kleine stadtähnliche Gebilde im Rheinland kaum Brücken hat, unter die verfrachtet werden könnte ...
Steuern sind ein erlaubter Fall von Raub.Thomas von Aquin (1224 bis 1274)
Tuesday, June 22. 2010
Von Fleckenmitteln und anderen Segnungen ...
... des Hausfrauenlebens zu berichten, ist wie das Tragen der Eulen nach Athen. Bisher hatte ich mich stets geweigert, gesonderte Mittelchen anzuwenden, weil es doch irgendwo nicht ins frauliche Hirn rein passte, dass ein Zusatzgedöns das ohnehin schon porentief waschende Pulver noch tiefer in nicht vorhandene Wäscheporen eindringen soll. Schlichtweg als Geldschneiderei auf dem Weg zur Verbraucherverdummung habe ich das stets angesehen. Bis gestern. Da habe ich alles auf einmal gekauft. Weil meine arme Maus stolz mit ihren neuen Sachen in die Schule gegangen war. Und dort erfuhr, dass im Anschluss an den Unterricht Kulissenmalerei für das Schulfest stattfinden würde. Schlau wie sie nunmal ist, fragte sie, ob die verteilten Maleranzüge auch wirklich dicht seien - von wegen niegelnagelneuer Sachen, die sie angesichts des nicht-mal-4-Minuten-Schulweges gut und gern gegen älteres Zeugs austauschen könnte. Neinnnnnnnnnnn, die Anzüge seien dicht ...
Pustekuchen und von wegen - leuchtend gelbe Acrylfarbe auf reinweißem Shirt aus feinstem Stoff mit Perlenkante und auf schwarzer Sommerjeans! Och, wenn das direkt gewaschen wird, geht das raus. So die kunstbeflissene Lehrerin ... Also porentief gewaschen! Die nichtvorhandenen Poren haben sich wahrscheinlich kaputt gelacht unter ihrer neuen gelben Haut. Also das Zusatzmittelchen rein und zurück in die Waschmaschine. Im nächsten Waschgang kam dann der Helfer aus der lila Dose für reinweiße Wäsche dazu. In der nächsten Runde dann der Teufel aus des Doktors Antifleckenküche ...
Eins muss ich doch dem edlen Shirt lassen - der feine durchsichtige Stoff hat alles ertragen, die Perlen glänzen wie frisch drauf genäht. Leider auch die gelbe Acrylfarbe ... Da ist die Jeans aus anderem Stoff! Sie hat sich von der gelben Farbe getrennt und es leuchten nunmehr lauter weiße Stellen. Ganz ehrlich, mit gelb sah das netter aus!
Blieben also nur 2 Dinge zu tun: erstens sich selber auf die Schulter schlagen, dass in der Vergangenheit kein Cent für die diversen Zusatzmittelchen ins Geschäft getragen wurde und zweitens der Schule den Schaden melden. Mal gucken. Ich bin skeptisch. Weil das Schadensformular so ein häßliches Gelb hat ...



Kommentare
Thu, 02.02.2012 17:48
Das ist sicher eine sehr gute [...]
Sun, 15.01.2012 06:22
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