Thursday, February 2. 2012
Geschmackssache ....
Frau Buntschuh stand mal wieder zweifelnd vor dem Obst- und Gemüseangebot ihres Discounters. Lebensmittelgeschäfte gab es schon lange nicht mehr in ihrer kleinen Stadt und schon gar keine extra Fachgeschäfte für Obst und Gemüse oder für Fisch oder sogar für Feinkost. Sie seufzte und gedachte eine lange Minute der längst vergangenen Zeiten, in denen sie zum Abendessen mal den leckeren Krabbensalat - vom Herrn Feinkost höchstpersönlich angerichtet und abgeschmeckt - oder das köstliche hausgeräucherte Forellenfilet der Familie de la Fisch auf den Tisch stellen konnte. Sie leckte sich die Lippen, meinte sie doch tatsächlich, sie würde das noch warme Krustenbrot aus der alten Backstube schmecken, auf dem gerade die leicht gesalzene Butter aus der Milchmann-Werkstatt leicht zerlief ... und darauf in dünnen Scheiben eine dunkelrote Tomate!
Nun aber stand sie genau vor diesen Tomaten und quälte sich. Cocktailtomaten, Rispentomaten, Flaschentomaten, Partytomaten, Cherrytomaten - die Artenvielfalt füllte die Hälfte der Theke. Theke? Frau Buntschuh überlegte. Dieser feine Sprühnebel, der sich da über das Obst und Gemüse verteilte, ob der wirklich so optimal war? Weiß der Geier, was da alles drin war. Irgendwie war sie sich sicher, dass das pure Augenwischerei war und ihr nur vorgaukeln sollte, dass die Ware absolut frisch sei. Feuchte Äpfel schrumpeln schließlich nicht und feuchte Tomaten faulen eher als trockene. So war sie also wieder bei ihrem Hauptproblem gelandet. Welche dieser roten Dinger sollten denn nun heute Abend den vom geliebten Gatten so heiß gewünschten Salat ergeben??? Ihr fiel ein, dass sie letztens im Fernsehen gesehen hatte, dass im hügellosen Nachbarland die Paradiesfrüchte ganz ohne Erde gezogen wurden. Nee, das kam ihr spanisch vor, dass ihr das schmecken würde und sie entschied, dass alle Tomaten aus eben diesem Land fein im Regal bleiben könnten. Blieben nur noch Rispentomaten aus Spanien übrig. Also - aaaber der Preis. Fast hätte Frau Buntschuh sich mitten im Laden hingesetzt. Aber dazu war ihr der Fußboden nicht sauber genug (Herr Feinkost wäre da schon drei Mal mit dem Schrubber durch!).
Frau Buntschuh ging bekümmert durch den Laden und entschied sich gegen Tomaten und für einen Obstsalat aus der Tiefkühltheke und - tja, sollte doch ihr Mann gucken, wie er damit zurecht kam.
Herr Buntschuh kam recht abgekämpft von der Arbeit heim und setzte sich erwartungsfroh an den Tisch, sah den Obstsalat und meinte schon recht mißmutig, ob er denn zwei Salate an einem Abend essen solle. Doch Frau Buntschuh strahlte ihn an und meinte, dass er den gewünschten Tomatensalat ganz sicher im Juni essen könne. Er müsse nur noch die Voraussetzungen schaffen und ein paar Kleinigkeiten besorgen für den Balkon - dazu legte sie ihm 2 Tütchen Tomatensamen, Sorte AusGroßmuttersGarten ...
Andere pflanzen, was ich essen soll. Ich pflanze, was andere essen mögen ... persisches Sprichwort
Sunday, January 22. 2012
Von Karneval und anderen lustigen Sachen
Hier im Rheinland ist es wieder lustig (haha ...). Die fünfte Session steuert auf ihren Höhepunkt zu. Natürlich gibt es nun jedes Wochenende Sitzungen und Gala-Sitzungen und sonstige lustige Veranstaltungen. Dass sie bierernst genommen werden, habe ich gestern Abend wieder sehen können. Ich hatte Fahrdienst, da ich mich als Norddeutsche mit diesem speziellen rheinischen Frohsinn ohnehin etwas schwer tue. Und weil ich mich bereits in den letzten beiden Jahren nicht so wirklich amüsiert hatte, verzichtete ich auf die traditionelle Eintrittskarte zur Gala-Damensitzung des Traditionsvereins - wohin es natürlich meine Familie zog. Da mein Anni-fast-erwachsen-Kind eigentlich nur den Einmarsch erleben wollte und für den restlichen Abend andere Pläne hatte (zumal sie selbst nicht in eben diesem Traditionsverein Mitglied ist, weil das weibliche Wesen nicht sein dürfen und die dortigen Tanzgruppen nicht so wirklich ihren Vorstellungen von Tanzgruppen entsprechen ...), teilte sie die Karte mit ihrer Großmutter. Ich fuhr also meine Mutter gegen 20:30 Uhr zur Festhalle und hatte dort Probleme. Ich konnte nicht wenden - ein Fahrzeug kurz hinter mir fuhr in Millimeter-Geschwindigkeit die Straße entlang! Aber irgendwann hatte es doch die Einfahrt passiert, aus der ich wieder heraus wollte. Im Rückspiegel sah ich dann, dass auch dieses Auto mit einem langen Manöver die Fahrtrichtung wechselte - um dann irgendwann hinter mir - vor einer Garageneinfahrt parkte ...
Der Uniformierte, der ausstieg, geriet ins Stolpern. Dachte ich. Dann sah ich, dass das wohl momentan die einzige Gangart war, zu der er noch fähig war. Schlurfend und schwankend zog es ihn zum Eingang, wo seine roten Karnevalsfreunde ihn bereits erwarteten. Nur - sie waren alle mit dem Vereinsbus gekommen ...
In dem Moment fand der Wechsel auf meinem Beifahrersitz statt. Und es ergoss sich eine Tirade der übelsten Beschwerden über die humorigen und karnevalistischen Besucher der Sitzung über mich. Plätze werden an einem bestimmten Tisch nicht reserviert - nur der Tisch für jeweils 24 Personen ist fest geschrieben. Nun saßen wohl an dem meinen Damen zugewiesenen Tisch zwei Gruppen mit jeweils 10 Personen und ein Fotograf mit seiner Kameratasche, so dass 22 Plätze belegt waren. Die 2 freien Plätze befanden sich an den beiden Tischenden ... Der Bitte, doch so aufzurücken, dass nun 2 nebeneinander stehende Stühle hätten besetzt werden können, wurde trotz des Einsatzes des dafür zuständigen Herrn aus der Vereinsleitung nicht entsprochen - weil man ja wohl an so einem Abend nicht unbedingt zusammen sitzen müsse ... Bitte? Muss ich das verstehen? Muss das Irgendwer verstehen? Wahrscheinlich nur die, die über genügend rheinischen und karnevalistischen Humor können nachvollziehen, weshalb 2 Personen nicht zusammen sitzen dürfen, dafür aber 2 10er-Gruppen auf ihren Stühlen festpappen und eine Kameratasche einen Extra-Stuhl braucht ...
Eigentlich ist das alles auch kein Ding, über das frau sich aufregen kann. Weil es ganz einfach nur ihre Meinung festigt, dass besonders in diesem rheinischen stadtähnlichen Gebilde der Egoismus par excellence regiert und nur bestimmte Personen aus Familien, deren Mitglieder schon zu Zeiten der Neandertaler hier wohl gelebt haben müssen, sagen, wo es lang geht. Oder lang zu gehen hat ... Was bleibt, ist ein Anflug von Fremdschämen für Familie Meisenknödel und Co! Und halt die Erkenntnis:
Um Humor zu besitzen, muss man Geist haben ... (aus den Fliegenden Blättern)
Thursday, October 20. 2011
Frau Buntschuh ...
... drehte und wendete sich. Doch es geschah nichts - weder wurde ihr Kühlschrank davon voll noch hatte sie davon Vorräte im Wandschrank und schon gar nicht den so dringend benötigten Wintermantel. Warum nur hatte sie ihren Mann so bedrängt, dieses Ferienhaus am Meer zu kaufen? Die Urlaube in den Hotels waren doch eigentlich auch immer schön gewesen. Resignierend liess sie sich in den Sessel fallen und schaltete die Flimmerkiste ein. Zunächst gedankenverloren liess sie sich berieseln - plötzlich sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf. Das war es! Das war die Idee des Jahrhunderts! Flugs eilte sie ins Badezimmer zum Medikamentenschrank, entnahm ihm 2 elastische Binden und wickelte sich kunstvoll das rechte Bein ein.
Etwas flau war ihr doch schon im Magen. Aber die Not zwang sie dazu. Also humpelte sie nun zur Nachbarin zur linken Seite. Überhaupt waren die Nachbarn auf der linken Seite etwas netter. Also wollte Frau Buntschuh sie auch zuerst beglücken. Und wirklich, Frau Schulte-Ebertbach öffnete und bat Frau Buntschuh ins Haus. Was sie denn mit ihrem Bein gemacht hätte, wollte sie von Frau Buntschuh wissen. Ach - die große Leidensgeschichte konnte endlich erzählt werden und letztlich auch der Grund , weshalb sie gekommen sei. Denn nicht genug mit der starken Beinverletzung, nein, auch der Ehegatte Buntschuh sei auf einer Geschäftsreise und könne nun nicht für den täglichen Bedarf sorgen; die Nerven würden bei ihr blank liegen und sie hätte sich keinen anderen Rat mehr gewusst als nun die liebe Nachbarin zu belästigen ...
Pflichtgemäß wies Frau Schulte-Ebertbach zurück, dass der unvermutete Besuch von Frau Buntschuh eine Belästigung sei und selbstverständlich würde sie sehr gern helfen, wozu pflege man denn sonst so eine gute Nachbarschaft. Sie versorgte fix Frau Buntschuh mit einer Tasse ihres besten Kaffees und reichte dazu ein Stück Käsekuchen, gestern gebacken nach Omas Geheimrezept. Während Frau Buntschuh sich überschwänglich bedankte und anfing, zu genießen, überprüfte Frau Schulte-Ebertbach ihre Vorräte. Hier ein Tütchen Nudeln, dort 10 Kartoffeln, etwas Reis, ein Päckchen Schinkenwurst, 3 Tomaten - ach, ihr Mann konnte morgen auch mal auf das Frühstücksei verzichten - und ein Karton Eier. Es kam so einiges zusammen, was sie als Soforthilfe ihrer lieben Nachbarin in den Jutebeutel packte. Himmel - beinahe hätte sie das Brot vergessen und das Stückchen Butter dazu. Nicht das Frau Buntschuh am Ende noch meinen würde, sie sei geizig!
Im Wohnzimmer zurück, stellte sie den Beutel vor Frau Buntschuh und bot natürlich an, sie auch noch nach Hause zu begleiten und ihr die Sachen zu tragen. Doch Frau Buntschuh meinte, das würde sie schon noch schaffen. Sie bedankte sich mit feuchten Augen vielmals bei Frau Schulte-Ebertbach und humpelte heimwärts. Ihre Blicke schweiften dabei über die Nachbarhäuser. Wer war jetzt nicht daheim und hatte so ihren Ausflug nicht beobachten können? Wer also war der nächste potentielle Helfer für ihre klamme Haushaltskasse? Aaahhh, da fuhr ja gerade Frau Baum-Specht in die Stadt, da waren ja wohl morgen die Vorräte gut aufgefüllt. Überschläglich rechnete Frau Buntschuh durch - wenn sie das noch einige Male machen würde, dazu das Ferienhaus mal etwas überteuert vermieten würde, ja dann wäre sie ihre Sorgen recht fix los und sie könnte weiterleben wie bisher.
Etwas unsicher war sie, was denn ihr geliebter Mann dazu sagen würde. Aber letztlich hatte er doch selber Schuld. Predigte er nicht immer, sie solle nicht nur Seifenopern im Fernsehen schauen, sondern auch die aktuellen Magazine und Nachrichten. Recht hatte er, der Gute! Fernsehen bildet - und was Griechen und Co. konnten, das konnte sie schon allemal! Frau Buntschuh klopfte sich auf die Schulter ... auf jeden Fall musste sie ihm klar machen, dass er die nächsten Wochen erst im Dunkeln heim kommen dürfe!
Thursday, May 19. 2011
Clown-Verbot ...
... soll es nach einer mal wieder sogenannten Experten-Meinung geben. Protestiert wird gegen Ronald von der berühmten NichtfeinschmeckerMc-Kette. Nun kann man ganz sicher darüber streiten oder geteilter Meinung sein, ob die dort angebotenen Speisen gesund sind. Wenn man sich nun ausschließlich dort ernährt, dann mag das durchaus zutreffen. Nur frage ich mich, welcher Normalbürger sich das schon mal von der Geldbörse her leisten kann. Aber davon abgesehen: ab und an mag ich diese platten Fleischklopse schon. Allerdings sehr selten. Aber es gibt ja Alternativen. Auch dort. Diese Fladen, die viel Grünzeugs und wenig Rind- oder Hühnerfleisch umwickeln mag ich ganz gern. Dazu noch ein Gartensalat. So halte selbst ich dort mal ein Essen gut aus. Frühstück ohnehin. Frische Croissants, frisches Rührei - mehr brauche ich morgens ganz bestimmt nicht. Dazu ist der Kaffee ok. Aber ich schweife mal wieder ab.
Ganz sicher geht es den Experten darum, die Kinder nicht durch den Clown und nicht durch das Spielzeug (auch das soll weg!) in die Hamburger-Welt dauerhaft zu entführen. Aber ist das nicht die Sache der Eltern? Bei uns war es nie ein Thema. Ab und an - als etwas besonderes. Und ganz ehrlich. Ich habe in keinem anderen Restaurant je Auslagen mit Nährwerttabellen etc. gesehen. Aber sollen die Klops-Manager jetzt ihre Besucher auch noch zum Lesen zwingen? Oder zu Kochkursen, damit es zwischen den Besuchen dort daheim auch mal Grünkernsuppe gibt?
Wird der Clown jetzt abgeschafft - was kommt als nächstes? Ich wäre da für diese blonde Sirenenpuppe mit überdimensionaler Oberweite. Da wird doch kleinen Mädchen ein Schönheitsideal aufgezwungen ... halt, vielleicht ist das ja die Wunderwaffe gegen Klops und Co.? Wenn du zuviel Sachen vom Onkel Clown in dich rein stopfst, mein Mädel, dann wird es nix mit Wespentaille und Atombusen!!! Aber wie bringen wir es den kleinen Jungen bei, ohne dass gleich wieder sexistische Vorwürfe laut werden? Keine Ahnung! Ken wurde abserviert, weil er nur noch Fleischbällchen wollte?
Aber im Ernst, für mich steht der berühmte Clown Ronald für die karitative Seite der großen Eßunkultur. Seine Häuser für die Eltern kranker Kinder, ja, die verbinde ich mit ihm. Ansonsten ist er mir eigentlich noch nie stark als Werbeträger aufgefallen. Ist aber auch so ziemlich egal. Weil es wohl doch eher darum gehen sollte, die Eltern zu erziehen, ihre Kinder vernünftig zu ernähren. Ich wage zu bezweifeln, dass denen der Clown fehlen würde und das Spielzeug in den fröhlichen Mahlzeit-Tüten ...
Wednesday, December 29. 2010
Brunch ...
... mit fritiertem Händchen als Extrabeilage gab es bei uns am 1. Feiertag. Nun lässt sich wieder alles bewegen und schon wird wieder geschrieben ...
Es ist einfach eine Tatsache, dass ich nicht zur Hausfrau geboren wurde. Sehr peinlich bewußt wurde mir dies schon bei der Rede meines Vaters zu meiner Hochzeit, der erleichtert seine Verantwortung für mein Überleben in der Küche an meinen Mann übergab. Fiel in die Vorehezeit neben etlichen kleinen Sachen nur die Explosion des Fondues, so kamen zu Ehezeiten die Verätzung eines Auges mit Entkalker, massive Verbrennungen am rechten Fuß durch ein Steak (ja!) sowie ein ziemlich sauber fast abgetrennter Finger dazu. Seit meiner Scheidung 1984 war nun das weihnachtliche Fritieren von Fleisch und Hand eigentlich das erste größere Malheur wieder - was eigentlich beweist, dass ich am besten selber auf mich aufpassen kann!
Aufgepasst werden muss jetzt wie nix auf den Strassen. Mal taut es, mal friert es. Das tut es, weil Winter ist! Haben eigentlich so viele Leute vergessen, was Winter wirkich ist? Diese Stöhnerei: es langt jetzt ... diese Erwartungshaltungen, dass alles reibungslos funktioniert wie im Sommer (wobei im Sommer ein Stau auf der von Urlaubern überfüllten Autobahn schon zum normalen Leben gehört) ... dieses Rufen nach Schuldigen! Ja, Himmel, schick Petrus runter! Auf dass er bestraft werde, weil er nicht rechtzeitig den Verantwortlichen eingegeben hat: bestellt mehr Streugut, mehr Enteisungsmittel. Weil er nicht den Weltenlauf angehalten hat und tatsächlich einem richtigen Winter den Einzug erlaubt hat!
Aber die Strafe für diese ewig Meckernden folgt auf dem Fuße! In der Programmvorschau habe ich gesehen, dass dieser Privatsender mit der roten Kugel, dieser Ox mit dem V davor, geistiges Hochniveau am letzten Abend des Jahres 2010 bieten wird. Und alle ewigen Nörgler werden zum Zugucken verdammt, wenn das blonde Naivchen Hundetaler (oder sind es die Katzen auf dem Berger oder so?) seinen persönlichen Jahresrückblick zum Hingucken gibt. Etwas sehr Gutes hat das Ganze ja: niveauloser kann es auf kaum einem anderen Sender werden und der alljährliche Stadl, in dem man in der 1. Reihe sitzen darf, dürfte Kulturnobelpreis verdächtig werden ...



Kommentare
Thu, 02.02.2012 17:48
Das ist sicher eine sehr gute [...]
Sun, 15.01.2012 06:22
If you want to get read, this [...]
Sun, 15.01.2012 04:31
Smart thniknig - a clever way [...]