Monday, July 31. 2006
der dritte Brief an Felicitas
Achtung: dieser Eintrag bezieht sich auf den 27.07.06 "Briefe an Felicitas"; da habe ich diese fiktiven Briefe erklärt. Und das das Copyright bei mir liegt. Bitte schaue da nach ... Und es wird der letzte sein, den ich hier rein setze. Glaube ich ...
III. Gesagt ist gesagt – oder auch nicht
Liebe Felicitas,
ist Dir eigentlich schon aufgefallen, dass es immens große Unterschiede gibt, wenn jemand etwas sagt? Und – ganz wichtig – wo er es sagt?
Nein, ich meine jetzt nicht, dass Du zu mir getrost sagen darfst, ich sei eine blöde Kuh. Ich will nicht diskutieren darüber, ob Du damit nicht vielleicht sogar recht hättest! Aber ich will Dir vorschlagen, dass mal zu der Sachbearbeiterin im Einwohnermeldeamt zu sagen, die den Antrag auf den neuen Personalausweis verbummelt hat und damit die angezahlte Urlaubsreise in Frage stellt … Oder eben zu einer der allseits beliebten Knöllchen-Damen. Du winkst obsolut berechtigt ab. Weil Du so eine Liebe bist, die eh keinem Menschen ein übles Wort an den Kopf wirft!
Nehme ich also ein anderes Beispiel. Die Nachbarin Meier hat so ein übles Schandmaul, das einfach mal gestopft gehört. Also schließen sich die Damen Müller, Schneider und Sonstwie zusammen und erzählen beim Bäcker, beim Fleischer und sogar im Supermarkt und auch noch der Frau Wagner, wie übel die Frau Meier ist! Klar lässt sie sich das nicht gefallen. Und – weil ohnehin streitsüchtig – zeigt sie das Trio Müller, Schneider und Sonstwie an, zum Beispiel wegen übler Nachrede.
Als die Anzeige in die Häuser flattert, bekommt Frau Sonstwie krassen Ärger mit ihrem Ehegespons. Weil der doch in der Abteilung, die Herr Meier leitet, Sachen bearbeitet. So bekniet er seine bessere Hälfte, sich doch aus diesem Kinderkram raus zu halten. Und zähneknirschend tut sie, weil die Aussicht auf weniger Haushaltsgeld ihr so gar nicht gefällt. Und weil es sogar noch eine kleine Aufbesserung geben könnte (hat Herr Meier dem Herrn Sonstwie unter der Hand gesagt) verliert die arme Frau Sonstwie noch ihr Gedächtnis irgendwo im Garten und ihre Freundinnen Müller und Schneider verlassen im Endeffekt das Gerichtsgebäude als ortsbekannte Klatschbasen, die nun der von ihnen ach so verunglimpften Frau Meier 500 Eurönchen Schmerzensgeld zahlen dürfen …
Allerdings könnte sich das Ganze auch so abspielen, dass auch der Herr Meier seine Gattin für ein Lästermäulchen hält. Und es ihr von Herzen gönnt, dass ihr von offizieller Seite mal ein Pflaster auf den Mund gedrückt werden soll. Und er sagt dem Herrn Sonstwie, dass ja bald die Stelle des 1. Sachbearbeiters frei wird … und Herr Sonstwie ermutigt seine Frau nun, doch ruhig noch einen Zahn zuzulegen. Was sie natürlich zusammen mit den Damen Müller und Schneider auch tut. Vor Gericht fallen ihnen doch plötzlich noch so einige Sachen ein. Die Frau Meier fällt von einer Ohnmacht in die andere – nützt ihr aber nichts dank der ehrbaren 3 Zeuginnen und sie verlässt das schon erwähnte Gerichtsgebäude und darf ans Kinderhilfswerk einen kräftigen Obulus zahlen und hat ihren Mund dazu noch für 2 Jahre zu halten. Weil so lange die Bewährung läuft …
Grundverschiedene Resultate, nicht wahr? Und nur, weil einer es so will. Auf jeden Fall ist es immer Herr Meier, der sich ins Fäustchen lachen darf!
Und was ist, wenn Herr Meier nun gar nicht einfach Herr Meier ist, sondern zum Beispiel eine große Tageszeitung? Sicher, wir sind uns einig, dass es gar nicht so einfach ist, Tag für Tag etliche Seiten zu füllen … Und einfach nur schreiben: „4 Weiber hauen sich verbal die Köpfe ein“ ist wenig verkaufsfördernd. Da könnten sie ja auch bei einem anderen Ereignis schreiben „US-Präsident berät mit der deutschen Kanzlerin die Weltlage“. Ausrufungszeichen! Das ist unspektakulär, weil sie das ja vermutlich öfter tun als wir Normalbürger das ahnen … Also wird zunächst tagelang berichtet, welche Kanaldeckel zugeschweißt werden, wie viele Biertischgarnituren aufgestellt werden und aus welchen Wald die arme Sau stammt, die an den Spieß muss. Ich halte das zwar auch für sehr unspektakulär (bis auf die immensen Kosten …), aber „Volk“ liest das wohl gerne. Und weil der Zeitungsverlag so gerne verkauft, folgen nach und nach so pikante Details wie, dass der Zuschauer X, eine dorfbekannte Größe, schwarze Fingernägel hatte. Weil das dann aber nicht stimmt, echauffiert er sich und verlangt eine Gegendarstellung mit dem Hinweis, dass er sich zwei Mal am Tag die Nägel mit der Wurzelbürste säubert. Natürlich druckt die Zeitung das am nächsten Tag wunschgemäß mit den erforderlichen rechtlichen Hinweisen … und gut ist! Außer, dass sich die Zeitung nun ins Fäustchen lacht, weil die Geschichte so ein großer Reißer war und deswegen glatt 15.000 Exemplare mehr über die diversen Ladentische gingen. Und außerdem ist das eh Schnee von gestern, weil doch gerade eben Schauspielerin Achwieschön gerade eben ihren Mann betrogen hat …Hat der Regisseur Blitzschnell vertraulich mitgeteilt für die morgige Schlagzeile – und so weiter und so fort!
Ganz fatal wird das Ganze, wenn ein politsch tätiger Mensch oder ein hoher Wirtschaftsmanager und sonst irgendein Würdenträger etwas sagt und die Zeitung druckt es. Auch noch kommentarlos, weil es der absolute Hammer ist, was dieser Mensch da gesagt hat. Die Zeitung verkauft sich rasend schnell – und mindestens ebenso schnell geht ein Empörungsschrei durch’s Land: wie kann der nur – wie unsozial – wie diffamierend für das gemeine Volk …
Ja, liebe Felicitas, an diesem Punkt ist nur festzustellen, dass dieser ranghohe Mensch irgendwann bei Frau Sonstwie im Garten gewesen sein muss. Und sein Gedächtnis seitdem ihrem Gesellschaft leistet. Und so lacht sich die Zeitung ins Fäustchen wegen der hohen Verkaufszahlen und druckt gern die Stellungnahme: ich bin falsch verstanden worden …
Und bevor Du mich falsch verstehst, höre ich für heute auf, liebe Felicitas!
Sunday, July 30. 2006
Der Brief wegen Mari ...
Ein Brief aus besonderem Anlass. Denn ein 20. Hochzeitstag ist heute nicht mehr so einfach selbstverständlich!
Herzlichen Glückwunsch, liebe Mari und lieber Andi!
Zutaten für DIE Ehe
Liebe, Vertrauen, Verständnis, Zärtlichkeit und Humor nehme man zu gleichen Teilen und mische sie sorgfältig und füge nach Geschmack Freundschaft hinzu. Nun wird diese Masse gemeinsam gerührt, so dass ein homogener Teig entsteht, der in einer offenen Schale gelagert wird, so dass die ihm entsteigenden Düfte die Umgebung einhüllen können.
Lebenslang fügen beide zusammen jeden Tag die Bereitschaft zum Verzeihen sowie gegenseitige Rücksichtnahme hinzu und rühren lächelnd den Teig gemeinsam - Tag für Tag - mit Hingabe, stets aufnahmebereiten Ohren und Herzen und schenken sich dabei liebevolle Blicke!
Dieses Rezept, liebe Felicitas, habe ich heute einer Frau geschickt, die ich noch nicht einmal persönlich kenne. Die ich aber sehr hoch schätze und die mir in Gedanken oft sehr nahe und vertraut ist. Und natürlich habe ich auch ihren Mann mit eingeschlossen in meine Glückwünsche zu ihrem 20. Hochzeitstag. Denn ohne einander zu haben, könnten sie diesen Tag ja nicht feiern, die Mari und der Andi …
Die Grundidee zu dem Rezept habe ich, wie unschwer zu erkennen ist, natürlich bei der Mama unseres großen Geheimrates von Goethe gemoppst, die ja ein gar so treffliches Lebensfreude-Rezept vor einigen Jahren verfasste …
Aber wenn ich mir so mein Rezept anschaue, frage ich mich, wieso eigentlich ausgerechnet ich dazu komme, so etwas zu schreiben. Gescheiterte Ehe, gescheiterte Lebensgemeinschaft und 2 Beziehungen, die auch daneben gingen. Eigentlich keine Basis, nun für DIE Ehe ein Rezept zu verfassen! Wirklich nicht?
Denn da sind ja noch meine Träume … Und: ist schon je ein Verfasser von Kriminalromanen als Serienmörder verurteilt worden? Eben – auch sie schreiben doch von Dingen, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben. Auch ihnen hilft nur Fantasie … Stell Dir vor, Dan Brown hätte die Kardinäle wirklich gemeuchelt, wie er es in „Illuminati“ so spektakulär beschrieben hat … oder in „Meteor“ die Wissenschaftler. Und wenn ich es ganz genau nehme, sind auch das nur Rezepte. Allerdings welche, von denen wir doch hoffen wollen, dass keiner sie je ausprobieren wird!!!
Und, hätte Hedwig Courths-Maler als das Herzeleid wirklich durchleben müssen, das sie in ihren Romanen unter ihre Leserschar brachte, glaube mir, sie wäre in dem weißen Hab-mich-lieb-Jäckchen ganz schnell in abgepolsterten Räumen mit runden Ecken gelandet.
Also nehme ich Fantasie, gemischt mit Träumen und auch Sehnsüchten, mal als Grundlage für mein Rezept. Und grübele nun, ob es wirklich nur ein Rezept für eine Ehe ist. Oder aber sich mit geringfügigen Änderungen der Zutaten nicht auch als Lebensrezept eignen würde. Und es fällt mir auf, dass eigentlich nur ein Wort ergänzt werden muß – lasse mich aus der Liebe die Nächstenliebe machen!
Gut, die Zärtlichkeit kann ich dann etwas minimieren. Denn kein Mensch kann von mir oder von Dir verlangen, dass wir der Postbotin liebevoll über den Kopf streicheln, weil sie mal eben wieder einen Haufen Rechnungen bringt, von denen wir ohnehin nicht wissen, wie wir sie zahlen sollen. Oder dem Busfahrer liebevoll um den Hals fallen, nur weil er seinen Job gemacht hat und uns von A nach M gefahren hat. Nein, hier langt wirklich ein nettes Lächeln und ein Dankeschön!
Und selbst als alleinstehender Mensch oder – neudeutsch – als Single, kann ich das Rezept anwenden! Indem ich morgens dem ersten Menschen, den ich sehe, bereits mein allererstes Lächeln am Tag schenke. Und diesem Menschen auch sage, dass ich ihn mag, so wie er ist. Mit allen Ecken und Kanten … Und dem ich verzeihe, weil er am Vortag so willenlos war und doch die ganze Tafel Schokolade in sich hinein gestopft hat. Und auch wieder nicht den Brief an XYZ geschrieben hat, der doch so wichtig ist …
Dieser erste Mensch am Tag bin ich … eben der Mensch, dem ich mal mehr, mal weniger unwirsch das kalte Wasser ins Gesicht klatsche, dem ich die Zähne putze und mit dem ich so kritisch umgehe. Und der keine noch so kleine Chance hat, mir zu entkommen!
Und wenn ich diesen Menschen morgens wirklich mit einem Lächeln begrüße, ihn respektvoll und liebevoll behandele und ihn so akzeptiere, wie er ist, dann muss ich ihn doch irgendwann wirklich mögen. Und dieses „irgendwann“ ist dann der Tag, den ich jedem von uns gönne. Es ist der Tag, an dem wir unsere eigene Mitte finden. In uns selbst ruhen und gelassen die nächsten Schritte gehen können. In eine Welt, in der uns Postbotin und Busfahrer auch zulächeln … und mit viel Glück sogar die gestresste Kassiererin im Supermarkt um die Ecke.
Vertrauen in uns selbst … vielleicht in etwa so, wie uns unsere Kinder vertrauen und die wir nie enttäuschen wollen und auch nicht sollten. Ich glaube, dann können wir ganz schön stark werden. Und dann können auch Träume wahr werden … für Dich und auch für mich!
Thursday, July 27. 2006
der zweite Brief an Felicitas
Achtung: dieser Eintrag bezieht sich auf den 27.07.06 "Briefe an Felicitas"; da habe ich diese fiktiven Briefe erklärt. Und das das Copyright bei mir liegt. Bitte schaue da nach ...
II. Fußball und Eigenverantwortlichkeit
Seit meinem Brief ist viel geschehen, liebe Felicitas!
In unserem Land gab es ein Ereignis, das alles bisher Dagewesene toppte: die Fußball-Weltmeisterschaft! Die Welt war zu Gast bei Freunden. Das stand jedenfalls auf all den Plakaten, die dieses Massenspektakel Herrn und Frau Normalverbraucher schmackhaft machten. Oder machen sollten!
Ich will gleich gestehen, dass ich es absolut hirnrissig finde, wenn 22 Männer hinter einem kleinen Ball hinterher laufen. Sorry, sind ja nur 21. Die beiden Torhüter bleiben ja in ihren Netzkabinen, aber der Schiedsrichter läuft mit, ganz in Schwarz. Vermutlich sieht auch er alles als Trauerspiel … Egal!
Bereits im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben. Den Funktionären standen rund 82 Millionen Trainer für die deutsche Nationalmannschaft zur Verfügung, wenn man wirklich glaubt, dass alle Deutschen fußballverrückt sind. Aber ich glaube, die Zahl lässt sich relativieren, denn mich muss man ja abziehen. Und meine Mutter und meine Schwester und vielleicht noch weitere 81 Millionen … Der verbleibende Rest ist dank Kraft der eigenen Wassersuppe dazu berufen, alles über das runde Leder und seine Behandlung in die Welt zu posaunen. Vorzugsweise wird das samstags im Stadion oder vorm Fernseher getan …
Ich habe das nie so ganz verstanden, weshalb wir Weltmeister werden sollten. Denn schließlich sind wir doch Papst! Und eins passt nun nicht wirklich zum anderen. Aber das ist nicht wichtig, denn ich hatte mich auch dem Papst-Sein widersetzt. Einfach, weil mir eine andere Werbung besser gefallen hatte. Und ich mich mit ihr identifizieren konnte. Seither bin ich eben Deutschland. Und zu mehr habe ich einfach keine Zeit!
Aber letztendlich haben auch die hohen Funktionäre des Fußballbundes alle designierten Bundestrainer auf ihren Couchen gelassen und nach Kalifornien gegriffen. Da lebt nämlich einer, der früher sehr gut Fußball gespielt hat und sogar selbst Weltmeister geworden war. Und weil er in Kalifornien lebt, war er nicht damit beschäftigt, Papst zu sein oder Deutschland. Und hatte so die Zeit, die Nationalmannschaft zu trainieren.
Du ahnst nicht, was los war, als er die Sache anders anging als es die hohen Herren auf ihren Funktionärssesseln und all die anderen Leute auf ihren Sofas erwarteten. Jahrhundertalte Traditionen wurden von ihm durchbrochen. Er ging sogar soweit, Fußballspieler als richtige Menschen zu behandeln. Er traute ihnen Eigenverantwortung zu! Und selbstständiges Denken und Handeln …
Er selbst sah sich nur als ein Mitglied in einem Team. Seine Aufgabe umriss er mal ganz grob, dass er die Visionen hätte, wohin er mit der Mannschaft wollte. Und diesen Weg wollte er dann ganz einfach mit allen zusammen gehen.
Felicitas, man und frau haben auf diesen Mann eingeprügelt, nur weil sein Konzept nicht aufzugehen schien! Lautstark wurde gefordert, dass er doch wieder abreisen möge in seiner Unfähigkeit. Zu groß die Gehässigkeiten als dass ich Dir zumuten will, sie hier zu lesen! Aber dieser Mann, ich nenne ihn einfach mal Jürgen, stand wie eine Eins. Traf seine Entscheidungen und schüttelte oberflächlich jedwede Kritik ab. Und die Mannschaft ging seinen Weg mit. Obwohl selbst ihr oberster Guru, den ich mal einfach Franz taufe, rum stänkerte!
Liebe Felicitas, ich will Dich nicht zu sehr langweilen und alles abkürzen. Weltmeister ist die deutsche Nationalmannschaft nicht geworden. Aber sie hat sich sehr wacker geschlagen und einen beachtenswerten dritten Platz erspielt. Auf dem Weg dorthin brach auf einmal in diesem – unseren - Lande eine Euphorie aus! Überall sah man unsere Flagge – an Autos, aus Fenstern und auf Körpern. In Bayern hat eine Familie sogar ihr Haus in den Nationalfarben streichen lassen. Irre, nicht wahr?
Und jeder wollte nun, dass der Jürgen hier bei der Mannschaft bleibt. Die hohen Funktionäre verließen sogar ihre dicken Ledersessel und die anderen ihre Sofas und sogar der Franz hoffte mit ganz Deutschland mit.
Und der Jürgen überlegte – und sagte: Nein!!! Seine Aufgabe sei erfüllt, sein Vertrag auch. Und sein Lebensweg führe ihn zurück zu seiner Familie nach Kalifornien und zu seiner persönlichen Lebensvision …
Da habe ich begonnen, ihn zu bewundern! Und mir gewünscht, dass etwas von der Euphorie bleiben möge in unserem Land und in seinen Menschen. Und dass die Menschen von ihm lernen mögen. Standhaft, gradlinig, mutig und visionär – wäre es nicht toll, wenn man diese Eigenschaften zum Beispiel bei unseren Politikern feststellen könnte. Und auch den hohen Wirtschaftsmanagern stünden sie gut an und wären als Ersatz für Unmenschlichkeit und Geldgier doch bestens geeignet!
Darum, liebe Felicitas, lasse wenigstens uns unsere persönlichen Visionen leben, egal was Herr und Frau Nachbar darüber denken … wir sind doch auch starke Menschen, die in Eigenverantwortlichkeit ihren Weg gehen können. Tun wir es doch und gehen los …
der erste Brief an Felicitas
Achtung: dieser Eintrag bezieht sich auf den 27.07.06 "Briefe an Felicitas"; da habe ich diese fiktiven Briefe erklärt. Und das das Copyright bei mir liegt. Bitte schaue da nach ...
I. Diäten und Wahn
Ich stöbere wahnsinnig gern in Buchläden. Aber in letzter Zeit laufe ich häufig gefrustet wieder hinaus, begegnet mir doch bei fast jedem Thema irgendein Diätbuch.
Nun habe ich jede Menge Verständnis für Ernährungsexperten, die sich es zur Lebensaufgabe gemacht haben, allen Menschen zur Idealfigur zu verhelfen! Und wenn ich mir so manche Empfehlung durch lese, dann bin ich sehr geneigt, auf der letzten Buchseite eine kleine Tasche zu suchen, in der das nötige Kleingeld versteckt ist, mit dem ich mir dann auch genau diese Diät leisten kann. Wobei ja nicht das Essen das finanzielle Problem ist – abgesehen von den gut gemeinten Vorschlägen eines Modezaren.
Außerdem gehören Kaviar und Co. nicht unbedingt zu meinen Lieblingsspeisen. Hier wäre es mir wesentlich lieber, es würden aus den kleinen schwarzen Kügelchen nette Fische. Hast Du Dir das schon mal überlegt? Ein Löffelchen Kaviar hochgerechnet auf richtige Fische – wie viele Menschen könnten davon im Endeffekt wirklich satt werden!!! – Danke, ich weiß, dass da ein Fragezeichen hingehört hätte!
Selbst in der esoterischen Ecke jeder Buchhandlung finden sich Anleitungen – wie ich zum Beispiel in der abnehmenden Mondphase selber auch ein Abspeck-Genie werde. Beim Durchblättern überfällt mich das schlechte Gewissen! Warum merke ich eigentlich nie, dass ja abnehmender Mond ist? Und ich ja in der Zeit gar keinen Hunger habe? Ja, ich scheine mich zu ignorieren. Ich höre mir wohl einfach nicht zu!
Also lieber in die nächste Bücherecke – und da stehen ganz schlimme Bücher! Zumindest für mich sind sie schlimm. Frauen, die selber mit ihrem Gewicht kämpfen, fühlen sich berufen, ihren Leidensgenossinnen Wege aus der „Fettleibigkeit“ zu zeigen. Frei nach dem Motto „Hurra, ich habe 100 Gramm abgenommen – das schaffst du auch!“ Toll! Mir tun nur die Frauen leid, die sich für teures Geld diese Bücher kaufen und ihr Leben danach ausrichten. Und dann so richtig gequält eines Tages vor dem Fernseher sitzen, um mit der bewunderten Buchautorin ein Interview zu sehen in der Erwartung, dass nun der dringend benötigte Kick zum weiteren Durchhalten der Selbstquälerei kommt … und dann??? Jawohl – eine strahlende Autorin verkündet, dass sie die 100 Gramm verloren hätte mit ihren Rezepten, aber nun halt mal eben 200 Gramm zugenommen habe. Na und? Ich habe Verständnis dafür. Denn für irgendwas muss sie ja schließlich das Geld ausgeben, das sie durch ihr Buch verdient hat!
Aber all das wird übertrumpft durch die Wahnsinns-Rezepte diverser Schauspielerinnen. Inklusive der Damen, die sich dafür halten. Hier suche ich nicht mehr nach dem Tütchen mit dem nötigen Kleingeld! Zum Teil müssten diese Bücher mit Ställen ausgeliefert werden – Ställen für lauter kleine nette Goldeselchen!
Ich liebe Eselchen … aber es besteht überhaupt kein Grund, selber eines dieser Tierchen zu werden. Und so halte ich lieber den Geldbeutel zu und kaufe mir eine Illustrierte – da sind ja schließlich auch genug Diätempfehlungen drin! Für einen Bruchteil des Buchpreises …
Nein, selbst das Geld gebe ich nicht aus. Nicht dafür! Denn die Folgen könnten schrecklich sein! Pfund für Pfund könnte schmelzen – und dann? Möglich wäre ja immerhin, dass ich eines Tages so aussehe, wie eine dieser Hollywood-Hungerharken! Und das ist eine grauselige Vorstellung! Ein wandelndes Bügelbrett, über dem ab und an der Bezug gestrafft werden muss, damit das Gestell darunter überhaupt noch zusammen gehalten wird. Denn Muskeln haben da ja zwischen Haut und Knochen ihren Platz verloren.
Wie schon gesagt, ich bin allein erziehend. Und das in aller Konsequenz. So bin ich also nicht täglich mit einem Wesen konfrontiert, das an mir und meiner Figur herum meckert. Obwohl ich mir so manches Mal diese Meckerei wünschen würde – aber dazu komme ich später, liebe Felicitas!
Du merkst, ich will ganz einfach darauf hinaus, weshalb wir in unserer Zeit so wahnsinnig Wert auf die reine Äußerlichkeit legen. Ganze Industriezweige leben davon. Darin sehe ich das einzig Gute – denn das schafft Arbeitsplätze. Aber auch das ist ein ganz eigenes Thema.
Warum also diese pure Lust auf pure Äußerlichkeit? Vornweg will ich frank und frei sagen, dass ich es nicht weiß. Und nicht verstehe. Und auch nicht verstehen will! Ist denn nicht dieses Streben nach der perfekten äußeren Fassade nur der Ersatz für eine entsetzliche innere Leere?
Darauf eine Antwort finden, das muss ich für mich und Du für Dich, Felicitas!
die Einleitung zu den Briefen an Felicitas
Achtung: dieser Eintrag bezieht sich auf den 27.07.06 "Briefe an Felicitas"; da habe ich diese fiktiven Briefe erklärt. Und das das Copyright bei mir liegt. Bitte schaue da nach ...
Ausgesprochen nett finde ich, dass Du meine Gedanken mit mir teilen willst! Zu Beginn bitte ich Dich um Dein Verständnis, dass mir Dir gegenüber das „Du“ so leicht aus den Fingern fließt. Aber es wird ja eine – zwar einseitige – Vertrautheit zwischen uns herrschen! Und die rechtfertigt mit Sicherheit einen vertrauten Umgangston. Rechtfertigen? Nein, sie fordert ihn … Und weil es ganz einfach höflich ist, dass ich Dich auch ab und an anspreche, möchte ich Dich einfach Felicitas nennen dürfen. Zum einen finde ich den Namen wunderschön und zum anderen hoffe ich, dass Du irgendwann sagst, dass Du die Glückliche bist …
Ich möchte mir Dir über so ganz Alltägliches reden. Ganz sicher gibt es Sachen, über die wir uns gemeinsam aufregen, uns unsere ureigensten Gedanken machen, die eigentlich keiner hören soll! Gedanken zu aktuellen Geschehnissen, zu alltäglichen Ereignissen – Gedanken, vermischt mit Lebenserfahrung und Erlebnissen aus dem täglichen Leben.
In jungen Jahren verschlang ich Erna Bombeck’s Herz, das sie ja im Wäschekorb verloren hatte. Herzerfrischende Geschichten aus dem Alltag einer ganz normalen Hausfrau. Zumindest sagte sie das …
Nun – ich bin keine normale Frau. Ich sehe das zwar nicht so, aber man und frau sagen es mir. Bald Mitte Fünfzig muss ich allerdings in klarer Selbsterkenntnis zugeben, dass ich wenig allein erziehende Mütter in meinem Alter kenne, die sich mit Sorgen und Nöten einer pubertierenden Tochter abzugeben haben. Und ich brauche es eigentlich auch nicht! Bei dieser Aussage klopfe ich natürlich auf meinen hölzernen Schreibtisch, denn meine Maus ist gerade 14. Und was nicht ist, kann ja im schlimmsten Fall noch werden!
Obwohl – ich habe schließlich nun 14 Jahre damit verbracht, damit es nicht so wird! Nun klopfe ich zur Sicherheit lieber noch einmal auf den Schreibtisch!
Ich selbst sehe mich also als ganz normale Frau. Und wie fast alle Altersgenossinnen schlage ich mich Tag für Tag mit den Pfunden herum, die mir nicht gehören! Aber wie angetackert sitzen sie nicht nur auf den Hüften, nein – sie haben meine ursprüngliche Gastfreundschaft vollkommen missverstanden und sich gründlichst meines ganzen Körpers bemächtigt. Ab und an streike ich – und sie bekommen von mir keine Nahrung. Das hat allerdings den Nachteil, dass meine Laune darunter leidet – und die Pfunde rührt das überhaupt nicht.



Kommentare
Thu, 03.05.2012 17:07
Liebe Ulrike! Endlich seit [...]
Wed, 02.05.2012 20:55
Danke lieber Wolfgang - es hat [...]
Mon, 30.04.2012 14:27
Ich denke heute ganz doll an [...]