Sunday, February 17. 2008
Stress fordert ...
... Männer, liebe Felicitas!
Und darum gibt es extra für sie ein Haarwasser, damit die Hälmchen auch fein in der Kopfhaut bleiben, wenn sie sich diese verzweifelt raufen ob der hohen Anforderungen, die Beruf und Familie an sie stellen. Für innen drinne gibt es dann das Extra-Bier für Männer wie wir ... nein, nicht wie wir, meine Liebe! Wir sind ja nur Frauen. Und unsere Haare gehen aus, weil das ab einem bestimmten Alter unser Hormonhaushalt so bestimmt! Denn wir haben keinen Stress! Es ist für uns die pure Freude, für unsere liebe Familie daheim rund um die Uhr da zu sein. Natürlich abgesehen von den Stunden, in denen wir unserem Chef seine ureigensten Wünsche von den gestressten Äuglein abzulesen versuchen ...
Unser Wecker klingelt mindestens eine halbe Stunde vor den anderen, damit wir noch ins Bad können. Denn dort brauchen wir ja so extrem lange, um unseren Zähnen das strahlende Weiß zu verleihen - und unserem Teint den so gesunden Bronzeton, der mit etwas Rouge aufgepeppt werden darf. Und natürlich muss den Augen mittels Tusche der letzte Hauch von Müdigkeit vertrieben werden! Und dann sind wir fit genug, um unsere lieben Kinderchen aus den Betten zu streicheln und unserem lieben Göttergatten das passende Paar Socken zu suchen. Dazwischen Toast und Ei und Körner - je nach Geschmack der verwandten Kundschaft.
Ach, bei dir kann ich mir die ganze Litanei ja sparen, dir geht es wie den Frauen ... Und du fühlst dich auch von so mancher Werbung so gar nicht angesprochen. In letzter Zeit kommen ja auch noch verstärkt Filmchen, wo man sich verzweifelt fragt, was die denn überhaupt mit der beworbenen Sache zu tun haben! Nur für eine mich brennend interessierende Creme wird nicht geworben! Und ich komme trotz intensivster Bemühungen nicht dahinter, wo ich sie bekommen kann. Ich könnte heulen!
Du weißt, doch: da ist diese amerikanische Filmschauspielerin aus der großen Schauspieler-Dynastie, die nach eigenem Bekunden bereits 70 Lenze auf dem nicht vorhandenen Buckel mit sich rumschleppt. Die pflegt sich jetzt mit einer Creme, mit der sie so zufrieden ist, dass sie dafür sogar Werbung macht. Aber das ist ja eine neue, innovative Creme - also kann sie sich damit noch nicht allzu lange einschmieren. Oder? Also! Wie bitte ist es ihr gelungen, sich so lange so faltenfrei zu halten? Hat sie da ein altes Familienrezept auf Rhizinusölbasis oder Melkfett oder so in der Nachttischschublade? Auf jeden Fall: irgendwas Geheimes muss es da geben!
Nüchterne Menschen wie ich kommen natürlich auch auf die Idee, dass eine begnadete Maskenbildnerin gekonnt das Zviel an Haut irgendwo festtackert - oder wurde da mal eine Permanenttackerei durchgeführt? Ach, je mehr ich eben diese Creme haben möchte, umso mehr Ideen kommen mir! Und ich neige dazu, dass wir auch da beschummelt werden, liebe Felicitas! Denn - könnten wir alle so vermeintlich faltenfrei auf die 100 zusteuern, wir würden es doch machen! Und die Zeitungen wären auch voll des Lobes über den Sieg der Kosmetikforschung über die Anzeichen des Alters ...
Aaaber - wenn sie wirklich so ein Geheimpatentrezept hat, nach dem sie sich bisher am heimischen Herd ihren Faltenkiller gekocht hat, dann ist das der pure Egoismus. Und Mitleid mit ihren Kollegen kennt sie auch nicht. Was könnte sie ihnen ersparen an Ausgaben für Schönheitschirugen, die für passendes Kleingeld schnippeln, was das Skalpell hält. Der Kunde oder die Kundin ist es schließlich selber Schuld, wenn die Wünsche dazu führen, dass selbst Barbie-Puppen im Gegensatz zu ihnen noch über eine aussagefähige Mimik verfügen.
Aber mal so ganz unter uns: kämen wir ohne die Werbung eigentlich auf die Idee, dass unsere Männer ihre Haare verlieren, weil sie den normalen Anforerungen eines normalen Lebens nicht gewachsen sind? Oder darauf, dass wir mit 70 noch faltenfrei durch unser Dasein stiefeln wollen? Ich glaube ernsthaft: Nein! Denn irgendwo hat es doch auch was mit menschlicher Würde zu tun, den unvermeidbaren Zeichen eines reichen Lebens ihren Raum zu lassen anstatt der ewigen Jugend hinterher zu hecheln - erreichen werden wir sie eh nicht! Da sollten wir doch lieber unsere Energien darauf richten, in unserem Inneren jung zu bleiben und nicht zu starren Masken zu werden ähnlich den oben beschriebenen gesichtsähnlichen Antlitzen ...
Wir schaffen das, liebe Felicitas!
Thursday, February 7. 2008
Ich will ins Fernsehen!
Liebe Felicitas,
wild blättere ich die Fernsehzeitung durch. Weil ich den Schlüssel gefunden habe, wie ich berühmt werde! Ja, Du glaubst es kaum, aber es ist so! Ich werde ins Fernsehen kommen. Wie, weiß ich noch nicht genau, aber ich werde es schaffen! Ich muss nur noch die richtige Strategie, besser: mein Problem finden und dann ab die Post!
In dem Zusammenhang ist es schon äußerst ärgerlich, dass ich so weiter gar keine Probleme mit meinem Kind habe. Sie ist nicht aufmüpfig, schlägt mich nicht, ist fleissig in der Schule und Drogen nimmt sie auch nicht. Da muss ich leider schon mal alle Sendungen knicken, die mir samt Nanny den begehrten Auftritt vor einem Millionen-Publikum verschaffen könnten. Insofern muss ich zum ersten Mal feststellen, dass ich ein böses Kind habe, dass mich nicht genügend unterstützt!
Also weiter im Programm ... Nein, die tollen Talkshows am Tag fallen auch flach. Einerseits weiß ich ja, wer der Vater meiner Tochter ist und andererseits streitet er es ja auch nicht ab. Warum eigentlich nicht? Da müsste ich mal ernsthaft mit ihm verhandeln und dann könnte ich da heulend hin und könnte als strahlende Siegerin den Platz verlassen mit dem bestätigenden Vaterschaftstest in der Hand. Aber ich hake die Idee am besten auch gleich wieder ab. Der Mann ist ja so entsetzlich eitel - der wird sicher als Sieger das Studio verlassen wollen. Aber ich könnte mich ja mal so ordentlich mit meiner Familie verkrachen und dann die Fernsehgewaltigen um Vermittlung bitten. Ja, das wäre was! Oder was meinst Du? Ach, ich höre Dich schon und Du hast sicher recht ... wenn ich anfangen würde zu streiten, würde der Familienrat sicherlich beschließen, dass ich wohl im Moment etwas überdreht sei und man mich also nicht zu ernst nehmen solle nach dem Motto: die kriegt sich schon wieder ein und solange geben wir ihr recht. Richtige Langeweiler sind das in der Richtung und zu nichts zu gebrauchen. Zumindest nicht für meine Fernsehpläne!
Für den Frauentausch bin ich auch nicht geeignet. Mit meinem Glück käme ich in eine Familie mit 11 Kindern und würde mir den Buckel krumm arbeiten, während die Tauschfrau sich hier den Lenz machen könnte. Nein, da kann ich überhaupt nicht gönnen und schiebe also auch den Gedanken ganz schnell auf die Seite.
Kochsendungen sind IN - und das kann ich. Wer zahlt da eigentlich die Zutaten, weißt Du das? Denn wenn, dann sollte es ja auch was Ausgefallenes sein. Ich denke da mal an marinierte Austern an Jungblattspinatspitzen, dazu ein Gläschen Champagner - aus dem Rest könnte ich ja ein getrüffeltes Sorbet als Zwischengang machen. Als Fischgang denke ich mal an Seezungenpralinchen im Algenmäntelchen (ein Chablis wäre fein dazu), dann eine gekräuterte Lammkrone und - ach was soll es, liebe Felicitas. Wie ich das einschätze, darf man das auch noch selber zahlen und das gibt schon mal Proleme mit meinem Geldbeutel. Aber mit einer Kartoffelsuppe lassen die mich bestimmt nicht mitmachen. Ist also auch nichts mit der Idee. Eigentlich schade!
Ach, habe ich vielleicht ein psychisches Problem? Fußpilz und ähnliche Gebrechen zählen ja bisher noch nicht. Und außerdem muss man, glaube ich, auch die Person mitbringen, die einem das Problem angehängt hat. Schon wieder wird es schwierig ... Moment - das ist es! Ich hab es. Ach, liebe Felicitas, in Gedanken bei Dir, da kommen mir doch die besten Ideen! Ich habe doch ein ganz aktuelles Problem, schon fast eine Psychose: ich mache doch um jeden Fernsehapparat ein großen Bogen und wenn ich doch mal ins Wohnzimmer muss, wenn der Kasten läuft (meist ist er ja an, obwohl keiner im Zimmer ist; ich vermute mal, meine Mutter will, dass sich das Meerschweinchen nicht so einsam fühlt.), dann bekomme ich fast Schreikrämpfe ob des mich kaum interessierenden Programms. Und da kämen doch ganz viele Fernsehgewaltige in Frage, die daran Schuld sind. Aber die werden alle nicht vor die Kamera wollen. Wäre ja eigentlich auch sehr peinlich, wenn sie sich dahin stellen und zugeben müssten: ja, ich verzapf den Mist. Nein, liebe Felicitas, das wäre uns ja auch überaus peinlich, wenn wir öffentlich sagen müssten: 'ja, ich bin der, der die SogarnichtPromis in den dschungligen Regenwald direkt an der Autobahn links schickt ...'! Also werde ich mit dieser auch ziemlich verbreiteten Phobie auch nicht vor die Kameras kommen. Hast Du vielleicht ein gute Idee? Denn vielleicht finden wir ja noch was außer Abzockern, feuchten Wänden und einstürzenden Moralvorstellungen, was den Fernsehgewaltigen so gut gefällt, dass sie damit auch noch den letzten Zuschauern den Nerv rauben wollen.
Oh, Moment, liebe Felicitas - eben kam eine Vorschau für eine Sendung, wo sie neue Sangeskünstler suchen. Das wäre was für mich! Sie haben da einige Ausschnitte gezeigt - so Nichtsingen kann ich auch! Aber ich weiß nicht, ob mein zartes Gemüt die harsche Kritik von dem blonden Oberbarden durchhält. Aber das wäre ja nicht schlimm. Dann hätte ich eben eine neue Phobie und könnte dann doch mit ihm zur Frau Psychowass.
Ob ich mir schon Autogrammkarten drucken lassen soll? Ach, darüber schlafe ich am besten eine Nacht. Dir auch wunderbare Träume und bis bald, liebe Felicitas!
Wednesday, December 19. 2007
Mit Weihnachten naht, ....
... meine liebe Felicitas,
so manches Pfündchen, dass sich wieder liebevoll auf unseren Hüften festsetzen wird - fast so, als wolle es auf immer und ewig mit uns durch dick und dünn gehen. Wohl eher, durch dick! So meinen doch wir Frauen und schauen gequält und gekonnt an großen Spiegeln vorbei (ganz ehrlich, ich kenne keine interessanteren Auslagen in Kaufhäusern als die, die mich exakt an diesen Spiegeln voll vorbei sehen lassen!).
Aber: hat dir schon mal ein Mann gesagt, dass du so richtig dick im Laufe der Jahre geworden seist? Mir jedenfalls nicht! Und selbst Frauen nicht so direkt. Wenn, dann kam schon mal von alten Bekannten der liebevolle Zusatz: naja, etwas zugelegt haben wir ja alle ... Mag es sein, meine Liebe, dass wir ganz einfach unserer Figur nachtrauern, die wir so kurz nach der eigenen Pubertät hatten? Meist spindeldürre, mehr Haut und Knochen denn Frau? Oder aber moppelig mit ordentlich Babyspeck, der dann meist wie von selbst verschwand, gerade zur rechten Zeit?
Ein gewißer Herr Rubens hat doch vor etlichen Jahren den weiblichen Rundungen die Ewigkeit verliehen in seinen Werken. Und genau vor diesen Gemälden stehen wir in Museen und bewundern sie unendlich, vielleicht aus Neid, dass wir nicht damals lebten - und dem Schönheitsideal so wunderbar entsprochen hätten. Aber nein, uns musste es ja in eine Zeit setzen, in der klapperdürre Hungerharken die Mode über die Laufstege der Welt transportieren - bis sie umfallen, weil nicht Luft und Rampenlicht zum Leben genügen (wider Erwarten ...)! Getrieben von einigen Herren des Modezeichenzstiftes, mal mit, mal ohne Zopf, erscheint ihnen schon ein Joghurt als üppiges Festmahl. Und wir Normalfrauen laufen Gefahr, uns diesem Diktat mit zu unterwerfen. Warum eigentlich?
Du, ich glaube, es mangelt uns ganz einfach an Selbstbewußtsein! Hast du schon mal erlebt, dass sich ein Herr der Schöpfung die Haare rauft ob seiner opulenten Bierwampe? Neee - der tatscht da noch stolz drauf und verkündet, dass das gute Stück sehr teuer war! Unsere Bäuchlein selbst sind aber auch nicht preiswert zu haben gewesen, wenn du bedenkst, dass ein einzelnes Kind von der Zeugung bis zur Volljährigkeit den Gegenwert eines Einfamilienhauses haben soll - natürlich laut Statistik. Oder hast du direkt nach der Geburt aufgeschrieben: eine Packung Windeln macht 19,99 Eurönchen? Und dann ein Büchlein mit all den Posten fortgeführt? Ich nicht ...
Und überhaupt, mir gefällt die Version, dass wir Frauen unheimlich intelligent sind. Und weil wir so kleine Köpfe haben, hat all unsere Intelligenz darin einfach keinen Platz und muss sich eben andere Speichermöglichkeiten suchen wie z. B. auf den Hüften und so ... Na, gibt dir diese Begründung für ein paar Pfündchen zuviel nicht auch Auftrieb?Dann bleibe oben, liebe Felicitas! Denn du und ich und all die anderen Frauen bestehen nicht nur aus Körper! Wir haben mehr zu bieten. Und darauf sollten wir stolz sein und kleine körperliche Unebenheiten einfach ignorieren - gerade jetzt, in dieser Zeit, wo es an allen Ecken und Enden so verführerisch duftet und leckere Mahlzeiten zumindest für einige Tage die Regel sein dürften.
In einer email habe ich etwas gelesen, das ich verinnerlichen will. Und das gebe ich jetzt an dich weiter, beherzige es und halte den Kopf oben, schau in den Spiegel und denke an die kleinen englischen Mädchen, die die Zeichensetzung so einwandfrei beherrschen - und zwar sollte eine Schulklasse in folgenden Satz die Zeichen setzen:
woman without her man ist nothing
Die Jungen machten folgendes draus: woman, without her man, is nothing.
Und die Mädels? Na, das hier: woman! Without her, man is nothing.
Eben, liebe Felicitas! Mit diesem Wissen trägt es sich doch alles leichter - besonders der Kopf da oben. Und den Rest bekommen wir schon hin, mit gestärktem Selbstwertgefühl und dem Wissen, dass wir die Menschen, die nur nach Äußerlichkeiten beurteilen, eh nicht gebrauchen können!
Und so wünsche ich dir frohe Festtage und viele leckere Sachen ...
Tuesday, December 4. 2007
Hast du schon ...
... ein Volkshandy, liebe Felicitas?
Weißt du, in grauen Vorzeiten, da hatte mal ein findiger Kopf die sagenhafte Idee, dass einfach jeder sein Auto haben sollte. Und so wurde ein Wagen entwickelt, recht einfach und ganz besonders darauf gerichtet, dass seine Anschaffung jedem fleissigen Bürger möglich sein möge und ihn in der knappen Freizeit am Sonntag - oh ja, am Samstag wurde noch gearbeitet und sogar zur Schule gegangen - bequem an Vergnügungsstätten wie Badeseen oder halt zu Verwandten und zu Freunden zu bringen. Das war eben der Volkswagen ... Und meine Eltern waren noch so stolz, Anfang der 60ziger Jahre eines dieser Exemplare ihr eigen nennen zu dürfen. Und zu Beginn der 70er hatte ich auch einen, so einen quietschorangefarbenen Sparkäfer für 5.555 Mark. Meine Güte, war ich unglücklich, als ich direkt am 2. Tag beim Rückwärtsfahren eine Eisenstange übersehen und eine Minidelle in die chromblitzende Stoßstange gedrückt hatte ...
Na ja - egal, die Zeit ist vorbei. Und auch der hehre Gedanke, dass sich jeder aus dem Volke eben so etwas leisten solle. Denkst Du! Aaaber, er ist da - Du kannst ein Volkshandy haben, liebe Felicitas. Und nicht nur das. Es geht mit den Wohltaten weiter, weil eben der Anbieter mit Volkes Stimme spricht. Sagt er und nimmt sich aller Themen an, die Leuten wie dir und mir auf den Seelchen brennen. Zwar wissen wir meist gar nicht, dass es gerade die Probleme oder Ereignisse sind, die uns so sehr beschäftigen - aber keine Sorge, wir brauchen ja nur in die richtige Zeitung zu schauen und dann erfahren wir es und können uns so noch rechtzeitig unsere Sorgen machen. Finde ich unglaublich gut!
Und damit so faule und geizige Leute wie ich noch nicht mal Eurönchen aus dem Fenster werfen müssen, kann Volksfrau und Volksmann alles Wesentliche dieser Welt sogar kostenlos online erfahren - wäre ja auch schließlich schade, wenn man nur des geilen Geizes wegen von unnötigen Problemen verschont bliebe ... Und selbst das Lesen wird einem noch fast abgenommen, weil so manches Herrenauge erfreuende Damen zum Beispiel deutlich vorführen, wie heiß es den Universitäten unseres Landes ist. Leider fehlt der konsequente Aufruf an die jeweiligen Hausmeister, die Heizungen zu drosseln - statt dessen wird die Textilindustrie praktisch arbeitslos gemacht, weil gegen Wärme wohl nur Ausziehen hilft. Habe ich jedenfalls so verstanden ...
Ganz neu war mir ehrlich auch die Erkenntnis, dass es trotz ehelichen Treuegelöbnisses noch gut klappen kann mit der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen Mann und Frau. Ist zwar auch schon lange her, dass ich mal verheiratet war, aber hier verlässt mich wohl mein Gedächtnis! Ich war immer der Ansicht, dass der einzige, der bei der Heirat anwesend war und das Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, der Priester gewesen wäre ... wir auch? Da müssen dann mein Mann und ich in den Folgejahren was falsch gemacht haben (was wir zweifelsohne ja getan haben, sonst wären wir ja noch heute verheiratet - aber dass es das war, hätte ich nicht gedacht!).
Und nun setz dich bitte ganz fest hin, liebe Felicitas! Affen schlagen in Japan intelligenzmäßig Studenten ... das macht doch nun wirklich fassungslos! Wobei ich nicht weiß, ob es sich lediglich auf die Technik des Öffnens von Bananenschalen bezieht oder das Auffinden von Läusen in Schafspelzen. Denn eins gestehe ich dir (und bitte sage es wirklich nicht weiter!): ich lese meist nur die Überschriften und gucke Bilder - zu mehr reicht angesichts des Themenangebotes meine persönliche Intelligenz nicht. Oder eigentlich besser: dieser außerordentliche Mangel schützt mich vor großen Sorgen und Versuchungen wie Volkshandy und sonstigen Kaufangeboten, die so mir nichts, dir nichts ewig aufklappen, sobald man die virtuelle Zeitungsausgabe anschaut. Aber dagegen gibt es sicherlich irgendwo einen Volks-Firewall ...
Sunday, November 25. 2007
Tiefe Schatten, liebe Felicitas, ...
... umwölken meine Stirn. Denn es ist unfassbar, was ich eben lesen musste und was mich vollkommen unvorbereitet traf: Liechtenstein und San Marino stehen an, die Weltherrschaft an sich zu reißen! Du glaubst es nicht? Ich auch erst nicht! Aber Du kennst mich ja inzwischen - ich lese eine Meldung, glaube nicht, recherchiere, glaube doch oder lach mir eins ins Fäustchen und mein innerer Lieblingshund wedelt entzückt mit dem Schwänzchen.
Aber heute ist alles anders. Denn auch das glanzvolle Inselkönigreich, aus dem nun wohl doch irgendwer irgendwann jetzt das Stöppselchen gezogen hat, ist nicht mehr zu finden: von Großbritannien keine Spur mehr! Es scheint jedoch hauptsächlich den Norden nach unten gezogen zu haben, denn England gibt es noch und Wales auch.
Liebe Felicitas, teilst du mein Entsetzen? Aber es wird noch größer werden - Vatikanstadt kann ich auch nicht finden auf der Liste, die die Welt bedeutet; auf der alle großen und kleinen Nationen sich vereinigt haben, um eben die Weltherrschaft zu übernehmen. Sie werden erbittert kämpfen, ganz gewiß. In den einzelnen Ländern wird es zu riesigen Produktionsausfällen kommen, weil diese Kämpfe den überwiegenden Teil der Bevölkerungen aus dem normalen Alltagsleben heraus heben werden - weg von Schreibtischen, Maschinen und geregeltem Tagesablauf, hin auf weiche Couchen oder harte Kneipenbänke und zu ungeregeltem Leben, in dem selbst die Nahrungsaufnahme zur Nebensächlichkeit mutieren wird.
Ja natürlich rede ich von den nächsten Fußballweltmeisterschaften, das hast du richtig erkannt, meine liebe Felicitas. Noch schöner, noch besser sollen sie werden, noch heißer. Wobei letzteres ja vermutlich schon allein durch den Austragungsort Südafrika eintreffen wird. Allerdings ist das auch noch nicht sicher, weil eben nicht sicher ist, dass da auch genügend Platz zum Spielen sein wird. Da sehe ich persönlich allerdings das kleinere Problem: das Land ist umgeben von wunderbaren Küstenstreifen; da könnten sie doch den Sand mal etwas platt machen und die Zuschauer könnten sich zu den Pinguinen auf den Felsen gesellen ...
Nun werden ganz sicher viele Länder auch diese Weltmeisterschaft überstehen - wenn auch so ziemlich am Rande des Ruins der Nerven von normalen Menschen, wie meinereine nun mal ist. Aber nun stell dir doch bitte San Marino vor! Das Land wird handlungsunfähig, kein Mann mehr am Schalter, um die heiß begehrten Briefmarken abzustempeln, weil ja wohl angesichts der Bevölkerungszahlen alle halbwegs bewegungsfähigen Einwohner auf den Fußballfeldern antreten müssen. Bei Liechtenstein dürfte es etwas besser aussehen; da schätze ich, dass sie sogar noch die Reservebank besetzen werden können.
Aber was ist mit Großbritannien los? Wales und England??? Warum die? Warum dann wir nicht Sachsen, Bremen, Brandenburg, Bayern und Co.??? Also tatsächlich Land unter bei den Schotten? Oder haben die sich abschottet - verzeih mir den kleinen Kalauer, aber er musste einfach sein!
Und warum nicht Vatikanstadt? Klar, dass der Papst da nicht mitstürmen kann - irgendwie hat ja das Alter bei Fußball doch auch gewisse Grenzen gesetzt. Aber die ganzen netten jungen Priester ... warum dürfen denn die nicht mit wehenden Soutanen diesem kleinen verrückten Ball hinterher sprinten? Für Ruhm und Ehre ... Ansonsten mischt doch dieser Staat auch kräftig mit in der Welt - warum ausgerechnet nicht im Fußball??? Wäre doch sicher für uns 2 ein Augenschmäuschen!
Und all die neuen Länder! Liebe Felicitas, da muss ich mir den Atlas vorholen und gucken, wo die überhaupt liegen. Und wie die früher hießen und unter welche Flagge die eigentlich mal gespielt haben - und vielleicht bald wieder spielen werden ... Aserbeidschan und so. Hab ich das richtig geschrieben? Wenn nicht, muss ich mir das einprägen?
Fragen über Fragen türmen sich schon jetzt auf - dabei finden die alles so beeinflussenden Kämpfe doch erst 2010 statt. Und vorher soll doch noch geklärt werden, wer das Zepter in Europa schwingen wird. Und da ist bisher nur eins ganz sicher: the most important English players not ... Nein, Felicitas, ich werde nicht rot vor Scham, weil ich mich freue, dass auch das Inselchen mit Machtgelüsten eines Kontinents sein schweres Fußballpäckchen zu tragen hat - hab ich genauso viel Mitleid mit wie mit den heroischen Fußballstars vor heimischen Fernsehern in unserem Lande, die ihre Felle davon schwimmen sehen, weil die 11 Hanseln da in dem kleinen Kasten sie nicht würdig vertreten und ein schlappes Unentschieden erreichen (ich würde nur gern den 11 Hanseln gönnen, die maulenden Besserwisser mal scheuchen zu dürfen ...).
Und im übrigen, liebe Felicitas, sollte nicht in Zeiten der Globalisierung eine andere Form der Gruppierung gefunden werden? Nicht Land gegen Land, sondern, hmmmmmm - wie machen wir das denn? Vielleicht Wirtschaftszweig gegen Wirtschaftszweig: die Banker der Welt gegen die Automobilhersteller der Welt; die Lokführer der gesamten Eisenbahnwelt gegen die Stewards aus der Luftwelt ... ach, das ist ein gutes Stichwort, liebe Felicitas: Luftwelt ... heiße Luft, und zwar sehr viel heiße Luft um eine absolute Nebensächlichkeit wird produziert. Und gebraucht, um die Masse Mensch träge auf der Couch zu halten!
Bis bald, liebe Felicitas - ich schreibe dir jetzt wieder öfter, versprochen!



Kommentare
Thu, 02.02.2012 17:48
Das ist sicher eine sehr gute [...]
Sun, 15.01.2012 06:22
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Sun, 15.01.2012 04:31
Smart thniknig - a clever way [...]