... und Geld für die gute Sache sammeln ist eine Seite. Die andere die, wie es gemacht wird. Ich hatte in dieser Woche einen sehr persönlichen Brief in der Post. Sehr wohlgesetzt die genutzte Schrift der Massenpost - täuschend echt als persönliche Mitteilung, natürlich mit direkter Namensanrede schildert eine Mutter das Leiden ihres Söhnchens, der an Mukoviszidose erkrankt ist. Wie sie an seinem Bettchen gesessen hat und andere belastende Momente. Dazu gibt es ein Hochglanzfoto von Mutter und Sohn auf dem Spielplatz, auf der Rückseite: J.... ist mein kleiner Engel! Wie von Hand geschrieben.
Selbstredend, dass auch direkt ein vorbereitetes Überweisungsformular für die erbetene Spende an den eingetragenen Verein zur Erforschung der Krankheit auffordert.
Ich habe mit dem Brief in der Hand da gesessen. Und die Wut stieg in mir hoch. Wie weit gehen eigentlich manche Leute, um an das Geld anderer zu kommen??? Mukoviszidose ist eine relativ häufig verbreitete Krankheit, um deren Erforschung sich viele Wissenschaftler bemühen und in deren Erforschung sowohl Steuergelder als auch erhebliche Gelder der Pharmaindustrie fließen.
Ich dachte an meine ewigen Stunden am Bett meiner Tochter. Daran, dass dieser verfluchte Morbus Wilson so selten ist, dass es sich nicht lohnt für die Industrie, großartig Forschungen zu betreiben und die Kranken auf 2 läppische Medikamente angewiesen sind, die erhebliche Nebenwirkungen haben. Ich dachte daran, dass letztlich mein eigenes wirtschaftliches Aus seine Grundlage in eben diesem verfluchten Morbus Wilson hat. Und ich dachte daran, dass es noch viele seltene Krankheiten gibt, die erforscht werden müssen, damit den Betroffenen geholfen werden kann wenn sie schon nicht geheilt werden können.
Würde jeder so ein auf die Tränendrüsen drückendes Pamphlet durch die Republik schicken, wir hätten wohl jeden Tag mindestens eins davon im Briefkasten. Denken die Verantwortlichen, die zu solchen Strategien greifen, eigentlich nicht daran, wo ihre billigen Bettelbriefe landen? Mitleidige Seelen, die einfach kein Geld zum Helfen haben. Schwerkranke, denen nicht geholfen werden kann. Eltern von kranken Kindern. Und so weiter.
Auch in einer rohen Zeit wie der unsrigen sollten gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Für mich gehört dazu, dass man nicht mit dem Leid von Kranken in dieser persönlichen Form und noch dazu mit einem Kinderbild eine Massensendung an die Post gibt. Mit dem - reduzierten - Porto könnte man das Forschungskonto vermutlich schon mal etwas anfüllen ...