Wednesday, June 4. 2008

Meinungsfreiheit ...


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Liebe Namensvetterin,
wenn du zu DDR-Zeiten viele Jahre in Sachsen verbracht hast (mit den dazugehörigen Negativerfahrungen), kann ich dich sogar verstehen. Ich glaube, dann wäre ich - zumindest der ehemaligen PDS gegenüber - auch skeptisch.
Aber die neue LINKE ist nicht mehr die alte PDS, und schon gar nicht die alte SED. Zumindest hier in Westdeutschland nicht - wie das in den neuen Bundesländern aussieht: ich weiß es nicht. Aber solche Verhältnisse wie in der alten SED wird es in den alten Bundesländern NIE geben! Die Menschen DENKEN hier einfach anders. Deshalb ärgert es mich jedes Mal tierisch, wenn die LINKE hier mit Stasi-Spitzeleien und anderen Ex-DDR-Schweinereien in Verbindung gebracht wird. Meiner Ansicht nach sind die ständig wiederholten Hinweise darauf der verzweifelte Versuch der übrigen in den alten Bundesländern etablierten Parteien, die LINKE schlecht zu reden, um nach Agenda 2010 und Hartz IV das eigene politische Überleben in einem Staat zu retten, in dem es immer mehr Menschen immer schlechter geht. Und dass es ausgerechnet SPD und GRÜNE waren, die diesen massiven Sozialabbau betrieben haben, nehmen die Menschen halt übel, SEHR übel!
CDU oder FDP zu wählen war für mich schon immer undenkbar. Ich mag keine Partei, die sich auf die Seite der Stärkeren schlägt (auch, oder gerade weil es mir selbst so schlecht gar nicht geht). Ich war schon immer auf der Seite der Schwachen. Und dass ausgerechnet die ehemalige Partei der "kleinen Leute" plötzlich das Gleiche tat, sich mit den "Bonzen" verbandelte, ihnen riesige Steuergeschenke machte und maßgeschneiderte Gesetze bastelte und dafür lieber die Kleinen aussaugte, war für die Menschen ein Schlag ins Gesicht.
Auch von meiner ehemaligen Herzens-Partei - die GRÜNEN - bin ich maßlos enttäuscht. Ein gutes Beispiel dafür, wie schnell im politischen Geschäft und beim Gerangel um die Macht eingenordet und gleichgeschaltet wird.
Inzwischen sind alle etablierten Parteien neoliberal und fest in der Hand der Wirtschaftsverbände. Deshalb ist KEINE von ihnen für mich noch wählbar.
Sicher, den LINKEN wird es - falls sie wirklich einmal in Regierungsverantwortung kämen, (was ich aber - zumindest für die kommende Zeit nicht glaube), sicher ebenso assimiliert wie die Realo-Fraktion der GRÜNEN, aber bis es so weit ist, hoffe ich darauf, dass die Linken die Schraube wieder mehr in Richtung "soziale Gerechtigkeit" drehen, und so lange werde ich sie wählen - damit sich in diesem Staat wieder etwas ändert und das Wort REFORMEN wieder einen guten Beigeschmack bekommt. Denn mittlerweile zieht man ja schon verängstigt den Kopf ein, wenn dieses Wort mal wieder jemand in den Mund nimmt ...

Liebe Grüße
Ulrike
#1 Ulinne (Homepage) on 2008-06-04 08:48 (Reply)
Wir werden sehen, liebe Ulrike, wohin die neue 'Linke' driftet ... aber ganz sicher hast Du es auf den Punkt gebracht, wenn Du sagst, dass CDU/FDP in den Händen der Wirtschaft sind. Ich habe schon öfter die These vertreten, dass eigentlich das Kabinett ehrlicher aus Ackermann und Co. bestehen sollte! Und ganz sicher brauchen die Schwachen eine Lobby, denn: könnten sie besser für sich eintreten, wären sie nicht schwach ...
Ich habe nicht zu DDR-Zeiten in Sachsen gelebt, sondern direkt nach der Wende. Und habe dann halt dort aus meiner Position heraus viel mit Stasi-Akten und dem ganzen Hintergrund zu tun gehabt. Und dadurch auch mit sehr vielen direkt Betroffenen sprechen müssen und dürfen.

In einem sind wir uns ganz sicher einige - mutige und ehrliche und unabhängige Politker braucht dieses Land, damit es wieder ein Land wird, in dem jeder seine Hoffnungen hat!

Liebe Grüße von mir zu Dir
#2 Ulrike on 2008-06-04 17:57 (Reply)
Na Gott sei Dank, liebe Ulrike, dann sind wir uns ja wieder so gut wie einig. Ha - alles andere wäre mir jetzt aber so GAR nicht recht gewesen.
Und was ich dazu auch noch sagen wollte:
Mir ist es sehr, sehr viel lieber, all die Unzufriedenen und Belasteten in unserem Land werden in ihrem Protest gegen die neoliberale Politik eigentlich ALLER etablierten Alt-Parteien von der NEUEN LINKEN aufgefangen, als von diesen rechten NAZI-Spinnern, die aus der Geschichte aber nun wirklich GARNICHTS gelernt haben. Leider greifen aber auch DIE eine ganze Menge dieser Menschen ab.
DAS halte ich für bedeutend gefährlicher ...
#3 Ulinne (Homepage) on 2008-06-04 19:00 (Reply)
Die rechten haben mehr Erfahrung und sind gewiefter in ihrem unsäglichen Gedanken'gut' ... Wie so oft, wird es erst die Zeit zeigen, ob und wie schädlich sich die neue Linke auswirken wird! Und weil das so ist, sollten wir vielleicht die Hoffnung nicht aufgeben, dass es doch noch Menschen gibt, die trotz ihrer Ämter ihre Visionen vermitteln und umsetzen können - zum Wohl aller Menschen in unserem Land. Ohne braune oder tiefrote Hintergedanken. Das wäre mir am liebsten!
Dir einen schönen Tag, liebe Namenscousine ... Und klar, wir beide sind da gar nicht sooo unterschiedlich in unserer Denkweise, vielleicht nur in den Wegen. Und darum bekommen wir das auch hin (was mir sehr, sehr recht ist!)
Liebe Grüße
#4 Ulrike on 2008-06-05 06:31 (Reply)
Also wenn TIEFrot bedeutet, den bisher irgendwo auf der Welt praktizierten Kommunismus/Sozialismus oder dessen historische Vertreter wie Stalin, Mao oder andere in sozialistischen Systemen agierende Verbrecher und schräge Gestalten zu bewundern, dann gehöre ich ganz sicher NICHT zu diesem TIEFrot. Ich will nur einfach nicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich NOCH weiter auseinanderklafft, sondern mehr gerechtere Verteilung der Güter unter den Menschen herrscht.
Meiner Meinung nach wäre so etwas wie eine "kommunistische Idee" in ihrer Theorie für die Menschheit fantastisch. Leider hat es bisher noch nie eine Menschengruppe/ein Volk/ein Staat geschafft, diese eigentlich wunderbare Idee ohne krankhaften Ehrgeiz, ohne egoistische Machtgelüste Einzelner, ohne Verbrechen an der Menschenwürde/Menschlichkeit, ohne Einschränkung der Freiheit, ohne - letztendlich - totalitäre Regime zu verwirklichen und über lange Zeit wirklich hart an dieser Theorie zu bleiben und sie zu leben.
Es scheint nun mal "menschlich" zu sein, für sich selbst - einmal an der Macht - immer das Beste, Schönste, Größte, Meiste haben zu wollen und eine Hierarchie aufzubauen, bei der es - wie schon seit Urzeiten gehabt - Starke und Schwache, ein Oben und ein Unten gibt, was natürlich nicht Sinn dieser Idee ist, sondern sie - im Gegenteil - konterkariert. Menschen scheinen - so wie sie "gestrickt" sind - nicht wirklich bereit zu sein, ihren Mitmenschen etwas zu gönnen, sie nicht vereinnahmen und unterjochen zu wollen, um sich selbst damit auf eine höhere "Stufe" zu stellen.
Ja, so sind wir anscheinend eben ...
Aber ich freue mich halt, wenn es für einen Wimpernschlag der Geschichte wieder Momente gibt, in denen man eine winzige Hoffnung haben kann, dass es besser und gerechter zwischen den Menschen werden KÖNNTE.
Ich weiß natürlich, dass die LINKE - was das betrifft - auch eine Menge visionäre Luftblasen produzieren, und dass sie sich, falls sie tatsächlich an die Macht/an die Regierung kämen, auf Dauer auch nicht anders würden als die etablierten Politiker, die wir momentan kennen, aber im Augenblick freue ich mich einfach, dass sie die für mich nicht mehr Wählbaren dazu zwingen, ihren Blick wieder einmal auf das Wohlergehen derer zu lenken, die sie eigentlich zu vertreten hätten. Von daher sind sie für mich eher ein Regulativ, als eine wirkliche Regierungsalternative.
Denn ... wen sollte man in diesen Zeiten sonst wählen? Ich wüsste sonst niemanden, dem ich mein Vertrauen schenken könnte/würde, denn nicht nur unser Oskar ist ein Populist - im Grunde sind das alle Politiker, die wir kennen - jeder auf seine Weise und für seine Klientel ...
Komm gut durch den Tag, liebe Ulrike. ;-)
#5 Ulinne (Homepage) on 2008-06-05 09:26 (Reply)
... und das hier würde ich mal so mitunterschreiben!
#5.1 Ulrike on 2008-06-05 10:54 (Reply)
Ach, und noch etwas:
Das von mir so sehr gewünschte Regulativ in unserer Gesellschaft können die LINKEN natürlich nur sein, wenn sie nicht nur 3 oder 4% der Wählerstimmen bekommen. Sie müssen schon auch mitreden können, um - zumindest aus der Opposition und als Damoklesschwert über den Neoliberalen und ausführenden Organen des Raubtierkapitalismus - etwas bewirken zu können ...
#6 Ulinne (Homepage) on 2008-06-05 09:37 (Reply)

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