Wednesday, August 29. 2007
Tomatenschlacht ...
... in Bunyol bei Valencia. Das hat Tradition. Und zwar seit 1945 zu Ehren des Stadtpatrons. Doch auch wenn ich Traditionen mag, so meine ich doch, dass von Zeit zu Zeit mal etwas auf den Prüfstand gehört. Auch solche Traditionen, die von einem Überfluß zeugen, der wohl gar kein Überfluß ist ...
Ich komme jetzt nicht damit, dass es Länder gibt, in denen Menschen hungern. Denn die hat es schon immer gegeben. Und nach meiner Auffassung wird es sie auch immer geben. Und wohl leider immer mehr! Auch mitten in Europa. Und dann passen einfach keine Bilder von Menschen, die sich in zermatschten Lebensmitteln aalen (mal abgesehen davon, dass ich es mir als absolut ekelig vorstellen, in so einem Gemisch zu baden, so ganz ohne Salz ...).
Es passen aber auch solche Bilder nicht angesichts einer Zeit, in der es immer schlechtere Ernten gibt aufgrund des sich ändernden Klimas. In denen Wälder, die wir dringend eben für dieses Klima benötigen, bedenkenlos von irgendwelchen Geschäftemachern abgeholzt oder abgefackelt werden.
Doch scheint der Mensch wohl diesen Kick der Absurdität zu brauchen. Wobei die Tomaten-Sauerei ja noch recht harmlos ist, wenn ich an das Stiertreiben denke. Oder, damit ich nun nicht auf der Deutschen liebes Urlaubsland Spanien herum zu hacken scheine, auch den Bungee-Sprung oder ... nun keine Aufzählung, weil ja doch wohl jeder weiß, was ich meine!
Aber ich will ja nicht von meinen eigentlichen Gedanken weg, die ich bei dem Betrachten der Bilder von Menschen hatte, die bedenkenlos und ganz sicher gedankenlos und voller Freude in Lebensmitteln wühlten. Denn meine Gedanken hingen sich an dem Begriff der Tradition auf. Und daran, dass doch so manche Tradition mal überdacht werden sollte. Denn eigentlich sind wir doch stolz darauf, dass wir so manches viel besser machen als unsere Vorfahren, ausgereifter und durchdachter ...
Nun weiß ich nicht, wie die Tomatenschlacht 1945 begann. Aber angesichts der Jahreszahl vermute ich mal ganz einfach, dass da zu Ehren des Stadtpatrons einige Tomaten geopfert wurden. So wie ich eben auch vermute, dass das Weihnachtsfest früher auch ganz anders gefeiert wurde - bevor es zum Konsumentenfest wurde, ähnlich Ostern und sonstigen Geschenketagen.
Wir sagen so oft, dass irgendwas aus Tradition gemacht wird. Und machen da unser Fest daraus, ungeachtet eben dieser oder jener Tradition. Weil wir sie nicht leben, sondern einfach den betreffenden Tag zum Anlass nehmen, um zu machen, was wir für richtig halten in unserer ach so modernen und aufgeschlossenen Zeit. Und meist artet es dann in Konsumschlachten aus - denn so weit entfernt ist die Schlacht mit den Tomaten nicht von der Schlacht im Kaufhaus nach den besten und günstigsten Geschenken ...
Wer verbindet eigentlich mit Tradition noch Nächstenliebe und den ehrlichen Dank - ob an Schutzpatron oder Göttin oder Gott oder Eltern oder sonstwen? Und gibt oder schenkt dann etwas mit Überlegung oder opfert einfach seine Zeit, in dem er z. B. etwas bastelt?
Tradition - die Überlieferung, die Weitergabe ... Sicher ist damit nicht nur das Datum gemeint ... Oder doch? Wenn ja, dann wird mir Angst und Bange ...
| Vergeßt nie, daß auch euer Tun einmal Tradition wird. |
| Paul von Hindenburg |
Tuesday, August 28. 2007
16 Jahre ...
... sind eine lange Zeit. Zum Beispiel bin ich im Oktober 1991 das erste Mal nach Chemnitz gefahren. An der Auffahrt auf die A 4 in Eschweiler wurde gerade begonnen, zu bauen. Ich bin gestern nach Aachen gefahren. An der Auffahrt auf die A 4 wird noch immer gebaut ... Es betrifft ja nicht nur die Auffahrt, sondern das Teilstück der A 4 zwischen dem Aachener Kreuz und Düren. Es dürften so an die 20 Kilometer sein, an denen nun seit diesen Jahren herum gewerkelt wird ...
Betrachte ich mal dagegen, was ein Mensch und zwar speziell ein neugeborener in diesen 16 Jahren leistet, dann macht es doch wohl fassungslos ... Das Baby lernt und leistet mit seinem ersten Atemzug, denn es muss nun selbständig atmen und es bekommt so viele Reize über das Gucken, das Riechen, das Schmecken, dass es ihm in dem kleinen Kopf doch arg schwindelig werden müßte! Dann kommt das Sitzen, das Stehen, das Laufen, das Sprechen ... Und irgendwann die Grundschule und dann die weiterführende Schule. Und vergessen wollen wir die Hobbys der kleinen Menschen ja auch nicht, vom Reiten über das Gitarrespielen hin zum Klöppeln und ich weiß nicht, was noch alles!
Wirklich, so ein kleines Menschlein leistet immens viel in diesen 16 Jahren. Und etliche erwachsene Menschen bringen es nicht fertig, in diesem Zeitraum 20 Kilometer Straße rundum zu erneuern - schwache Leistung!!!
Warum ich diesen Vergleich heute mache? Weil Anni heute vor 16 Jahren begonnen hat, zu atmen, zu lernen, zu leben ...
Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz bis es zu glühen beginnt und die anderen kommen, um sich an dir zu erwärmen.
Irischer Segenswunsch
Friday, August 24. 2007
Warnung !!!
Und das ist durchaus sehr ernst gemeint: werde in diesem Land zwar alt, aber nicht krank! Oder: werde ruhig krank, aber nicht alt!
Ich will das alles hier nicht aufschreien. Zu unfassbar ist es, was ich in den letzten Tagen erleben musste. In Kurzform: mein 69jähriger Onkel hatte sich die Schulter bei einem Sturz zu Hause gebrauchen, Ende Juni ds. Js. Gleichzeitig verschlimmerte sich sein Prostata-Leiden und er bekam einen Schlauch durch die Bauchdecke - vorübergehend, wie in beiden Aufklärungsgesprächen betont wurde. Natürlich mit Schlauch kam er wegen des Schulterbruchs zur Reha - in die Geriatrie des Krankenhauses einer Nachbarstadt. Hier sei ein dringender Rat eingeschoben: man/frau schaue sich vorsorglich die geriatrischen Abteilungen in Wohnortnähe an und lege dann exakt fest, wo er/sie nie hin will. Aufstehen, in die Zimmerecke setzen, essen, eine Runde mit dem Rollator, essen, in der Ecke sitzen, essen, ins Bett ... wie gesagt Reha!
Und gestern dann: Reha ist um, der Schulter geht es gut und für mehr sind wir nicht zuständig. Mein Onkel ist nun zu Hause, mit Schlauch ... Vorübergehend? Das sieht sein Hausarzt eigentlich nicht so. Und der Chefarzt der fraglichen Urologie auch nicht - er will auch nicht, dass wir die Aufklärungsgespräche so wörtlich nehmen. Da kann dann schon immer mal was passieren, vor allen Dingen wenn der Mann alt ist ... Bitte???
Abgesehen von der persönlichen Betroffenheit, von persönlichem Ärger und immenser Lauferei ... hat hier schon mal jemand was von der Würde des Menschen gehört? Oder habe ich nicht mitbekommen, dass die im Laufe des Lebens kontinuierlich abnimmt und dann ab etwa 50 oder 60 oder sonst wann voll den Bach runter geflossen ist? Sollte ein älterer Mensch nicht ebenso umfassend über Risiken etc. eines chirugischen Eingriffs informiert werden wie ein junger? Oder lautet hier das Motto nun "Friss, Alter, oder stirb ..."?
Dank Gesundheitsreform sind Ärzte und das Pflegepersonal ganz sicher überlastet! Da werden die Kassenbeiträge immer höher und die Leistungen am Patienten immer geringer ... Wollen wir Normalbürger uns dann nicht endlich mal fragen, wo das ganze Geld bleibt? Was verdient eigentlich so ein Krankenkassen-Sachbearbeiter? Sicher nicht die Welt ... Also, die Augen gehoben und in die höheren Etagen geblickt ... Und auch mal in die Krankenhausverwaltungen! Denn dort sollen keine Überstunden anfallen, weil das dem Personal nicht zuzumuten ist. Sehe ich auch so! Allerdings ist es mir lieber, so ein Schreibtischtäter macht irgendeinen Fehler als das ein Arzt nach einer Doppelschicht das Skalpell falsch ansetzt ... weil er einfach todmüde ist!
Haben Kranke eigentlich in Berlin Lobbyisten so wie etwa die Energiekonzerne? Oder die Senioren eine ähnliche wie die Pharmakonzerne? Nein? Dann wird es aber Zeit ...
Wednesday, August 22. 2007
ganz deutlich ...
... und ganz persönlich noch einige Worte zu dem wirklich verfluchten Ost- und West-Gehabe ... Denn kein Münchener oder Stuttgarter oder Düsseldorfer regt sich darüber auf, dass in diesen Städten die Lebenshaltungskosten deutlich teurer sind als im Rest der Republik. Und ich habe auch noch nicht gehört, dass sich darüber aufgeregt wird, dass etliche Fernsehproduktionen ewig in Leipzig und Co. erfolgen - klar, liegt auf der Hand, die Produktionskosten dort sind niedriger als z. B. in München.
Aber ich kann mich daran erinnern, dass es irgendwo in einer Postille, die super ist ist, hieß, dass zuwenige Schauspieler der Ex-DDR im Fernsehen erscheinen. Bitte? Ich kann mich darüber aufregen, dass laufend irgendwelche ausländische Serien ebenso laufend wiederholt werden und dass auch noch mit ausländischen Schauspielern. Ansonsten ist es mir vollkommen wurscht, wo ein Darsteller den Haupteil der Jahre verlebt hat - so er denn gut spielt ...
Und mit dem Niedergang der Kohle herrscht im Ruhrpott und auch im Aachener Raum eine ähnlich hohe Arbeitslosenquote wie im Gebiet der ehemaligen deutschen demokratischen Republik. Mit dem Unterschied, dass die Lebenshaltungskosten höher sind ...
Die fünf neuen Bundesländer haben nicht ganz so viele Einwohner wie NRW ... Das musste sein, damit die spezifischen Eigenarten von z. B. den Sachsen nicht mir denen der Brandenburger kollidierten. Hat man uns gesagt ... Rechne ich das auf die Einwohnerzahl - fünf Landesregierungen statt einer! Und so weiter ... Ganz sicher ist es genauso blödsinnig, dass es Länder wie das Saarland, Bremen etc. gibt! Ein Einsparungspotential - hier wie da - , das endlich zum Wohl des gesamtes Landes ausgeschöpft werden sollte!
Ich bemühe mich wirklich, das alles sehr sachlich zu sehen. Denn ich habe sehr persönliche Blessuren in Sachsen davon getragen. Weil mir zum Teil das Denken sehr fremd war, das so mancher Kollege inne hatte: gut Freund spielen und alles zum eigenen Vorteil manipulieren. Aber das hätte mir auch in Schleswig-Holstein oder Bayern passieren können. Meine ich!
Wirklich anpiepen tut mich heute im Jahre 2007, dass einerseits ewig geklagt wird: ach, wir sind ja die Benachteiligten hier im Osten. Und dass andererseits geschimpft wird: ohne den Osten wären wir besser dran ...
Denn beides stimmt nicht!!! Leute, wir sind zusammen! Und es gab mal eine Euphorie, dass es so wider jede Erwartung gekommen ist. Warum machen wir so wenig daraus?
Tuesday, August 21. 2007
Im Westen nichts Neues ...
... im Osten aber auch nicht! Es hat mich gerade nur geärgert, weil ich gelesen habe, dass mal wieder der Hinweis kommt, dass im Osten weniger verdient wird. Aber Hallo! Natürlich stimmt das! Aber ebenso stimmt es, dass dort das Leben von der Grundtendenz her preiswerter ist. Fängt beim klitzekleinen Brötchen an. Und führt über die Krankenkassenbeiträge weiter nach ich-weiß-nicht-wo. Aber das wird natürlich nicht erwähnt ...
Ich habe ja lange im Chemnitzer Raum gelebt. Und zwar so ziemlich genau 15 Jahre. Und von daher nehme ich mir das Recht, zu sagen, dass ich doch sehr gut das Leben hier wie dort beurteilen kann. Ich kenne hier wie dort ganz, ganz liebe Menschen, denen ich in Freundschaft verbunden bin. Der einzige wirkliche Unterschied ist, dass ich dort viel mehr Meckerer kenne. Und dass ich dort sehr oft mir auf die Zunge beißen musste, wenn mal wieder der Hinweis kam, wie gut doch früher alles war. Tja, meckern, dass irgendwas nicht klappt und dann sich in den Flieger setzen und ab nach Kenia oder Australien oder sonst wohin, wo dann weiter gemeckert wird über Essen, schlechten Service etc.
Ich habe Freunde, die in der Nähe des Wörther Sees ein Gasthaus sowie einen Bauernhof mit Gästezimmern haben. Zimmer an Menschen aus Ostdeutschland vermieten sie nicht mehr und als Besucher des Gasthauses sind diese auch nicht mehr willkommen. Und auch dort zu lesen war, dass die Menschen aus Ostdeutschland den Niederländern den Rang abgelaufen haben als die unbeliebtesten Besucher ... Und das finde ich ganz schlimm!!! Weil ich eben weiß, dass eigentlich die Meckerer in der Minderzahl sind - hier wie dort!
Nur wirklich ins Grübeln komme ich, weil:echte Sorgen bereitet mir die politische Situation in den neuen Bundesländern. Nach dem brutalen Angriff auf die Inder in Sachsen ... ich will das gar nicht weiter ausführen. Aber eins: die Leute, die sich dazu vor der Kamera geäußert haben, da hoffe ich, dass einige zur Rechenschaft gezogen werden! Nicht von unseren Gerichten. Aber bei ihrem nächsten Urlaub - wenn sie mal wieder Ausländer sind!!! Aber es ist nicht nur die rechte Seite, auch die linke ... denn das wird unterschätzt, was alte Seilschaften noch so alles bewegen können. Zumindest in der Branche, aus der ich komme. Und in der Gegend, in der ich gelebt habe - späte kalte Übernahme des Westens durch das alte Regime. Gucke weiter östlich in fremde Länder - das Grausen wächst!
Und jetzt überlege ich, ob ich das hier stehen lasse. Aber ich werde es tun. Denn ich kenne auch Menschen in den östlichen Bundesländern, die dort geboren wurden und immer dort gelebt haben. Und die viel, viel härter über ihre einheimischen Mitbewohner urteilen als ich. Über die ewigen Nörgler und Meckerer, die nur das Schlechte (was es zweifelsohne gibt!) sehen und oft die alten Zustände beschwören als die optimale Lebensform ... ist es für sie wirklich so erstrebenswert, wieder in den Zuständen von vor 1989 zu leben??? Ich gebe zu bedenken: meckern ist dann nicht mehr!



Kommentare
Thu, 03.05.2012 17:07
Liebe Ulrike! Endlich seit [...]
Wed, 02.05.2012 20:55
Danke lieber Wolfgang - es hat [...]
Mon, 30.04.2012 14:27
Ich denke heute ganz doll an [...]