Friday, June 30. 2006
Dornen wie Ecken und Kanten
| Die Rose fühlt ihre Dornen nicht. |
Detlev Liliencron (1844 - 1909) Fühlen wir all unsere Ecken und Kanten? Merken wir stets, wenn wir einen anderen Menschen verletzten? So wie die Rose uns mit ihrer Blüte erfreut und mit ihren Dornen oft verletzt, so ergeht es doch auch uns oft - wir wollen etwas Gutes und verletzten unabsichtlich die Gefühle anderer Menschen. Mitten im Reden, Handeln merken wir, dass wir gerade Blödsinn reden und tun und bekommen nicht mehr so recht die Kurve und es ist uns entsetzlich peinlich, dass wir gerade Frau Y so von den sportlichen Fähigkeiten von Bruder N vorschwärmen ... Frau Y, die doch einen körperbehinderten Sohn im Alter von N hat. Mal so als Beispiel ... Gedankenlos, nicht wahr? Und doch so menschlich ... Warum stehen wir dann eigentlich nicht dazu. Wäre es so schlimm, nach unserer Schwärmerei einfach zu sagen: "ach, liebe Frau Y, ich weiß, dass sie gerade an ihren Sohn denken und dass er das alles nicht kann." Und vielleicht noch etwas anfügen, was den Sohn von Frau Y betrifft. Vielleicht ist er ja ein Mathematik-Ass - oder er hat "nur" ein liebes Wesen, einen guten Charakter ... Nein, das tun wir nicht. Meist ist es uns eben nur peinlich und wir suchen schnell den Abschied und schimpfen mit uns im Weggehen ... und lassen eine wohl ratlose Frau Y zurück mit ihrer Wunde, die wir gerade eben aufgerissen haben. Für mich haben exakt diese Gedanken auch wieder etwas mit der Solidarität von uns Menschen untereinander zu tun ... weil man nur solidarisch sein kann mit Jemanden, den man voll und ganz akzeptiert Frau Y hat den behinderten Sohn, Frau S hat keine Arbeit und der Mann von Frau T ist im Gefängnis ... Was haben diese 3 Frauen getan, dass sie so ein Schicksal haben. Was haben diese 3 Frauen mir getan, dass ich nicht unbefangen über alles mit ihnen reden kann - wäre ich nur als Frau mit ihnen solidarisch, dann dürften das alles keine Hürden sein in der Kommunikation miteinander! Die Dornen der Rose verletzten zufällig, unabsichtlich ... Worte und Taten von Menschen auch. Aber wir haben die Gabe, durch weitere Worte Verletzungen wieder zu heilen. Warum nutzen wir diese Gabe eigentlich so wenig? Warum reden wir eigentlich insgesamt so wenig - nicht über Politik und Fußball und anderes, sondern ganz einfach über uns, unsere Gefühle? Damit wir uns besser kennen lernen. Und damit besser verstehen. Und dadurch untereinander solidarisch werden! Heute ist ein guter Tag, Vorsätze zu fassen. Denn wir verabschieden uns von der ersten Hälfte des Jahres 2006. Die Zeit, um gute Vorsätze zu fassen, ist nicht auf den Jahreswechsel beschränkt ... nehmen wir uns mit unseren Ecken und Kanten an. Sie gehören zu uns wie die Dornen zur Rose! Ich wünsche allen einen guten Start in den Monat Juli - und in die 2. Hälfte des Jahres 2006 ... |
Thursday, June 29. 2006
Eine Allianz ...
... für's Leben kann aus meiner bescheidenen Sicht eine Partnerschaft sein. Also etwas ganz und gar persönliches, was nur mich und eben meinen Partner angeht. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die diese Partnerschaft auch mit ihrem Arbeitgeber wollen - es so sehen, dass sie - einmal entschieden - ihr gesamtes Berufsleben an einem Schreibtisch, einer Ladentheke verbringen. Dieser Gedanke birgt für mich Stillstand in der persönlich Entwicklung, Langeweile und auch Bequemlichkeit ... aber letztlich muß dies jeder für sich selbst entscheiden!
Aber, wenn "Mensch" sich so entschieden hat und seine Arbeit konsequent und gut macht, dann ist es unfassbar, wenn der Arbeitgeber kommt und sagt: "Tschüß, dich spare ich ein, weil ich noch mehr Geld verdienen will ...". Die Menschen eines Arbeitgebers sind gestern in Köln und Dortmund auf die Straße gegangen und haben demonstriert für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Was ich sehr gut begreife! Einzig zwei Sachen wollen mir nicht in den Kopf: die Stellungnahme der Kölner Betriebsrätin des Unternehmens - und dass nicht Arbeitnehmer anderer Unternehmen sich solidarisch erklären und mit demonstrieren. Denn sie können die nächsten sein, die aussortiert werden ob des allgemeinen Arbeitgeberstrebens um Gewinnoptimierung!
Gut, die Betriebsrätin - ich war zu lange selber Verhandlungspartner von Betriebsräten und weiß von daher sehr, sehr gut, wie solch liebe Formulierungen zu erhalten sind. Und es schreit in mir, es auch den Arbeitnehmern zu sagen, die tatsächlich meinen, dass Betriebsräte Arbeitnehmervertreter sind ... es soll aber tatsächlich noch solche Einzelexemplare geben! Nach meiner Erfahrung allerdings sehr wenige.
Und die Solidarität der Arbeitnehmer untereinander - ich habe es schon öfter hier geschrieben. Und ganz sicher hatte Helga in ihrem Kommentar recht, dass die Angst um die eigene Existenz die Menschen am Handeln hindert ... aber genau mit dieser Angst jonglieren die Damen und Herren in den Teppichbodenetagen! Denn letztlich haben auch sie nur Angst um ihre Existenz! Meist nur mit 5Jahres-Verträgen ausgestattet müssen sie in den kurzen Zeiten zwischen Aufsichtsratssitzungen und Hauptversammlung beweisen, wie gut sie das Geld der Anteilseigner mehren. Und tun sie es nicht, sondern menscheln sogar, dann sind sie sehr schnell ausgetauscht. Zwar gegen gutes Geld (das ja eigentlich gar keine Rolle spielt ...), aber sie sind weg und am Fuße ihrer Karriereleiter angelangt.
Der Dalai Lama hat mal als eine der sieben Todsünden unserer Gesellschaft das Geschäft ohne Moral genannt.Die anderen sechs sind in seinen Augen:
Reichtum ohne Arbeit
Genuss ohne Gewissen
Wissen ohne Charakter
Wissenschaft ohne Menschlichkeit
Religion ohne Opfer
Politik ohne Prinzipien
Ich wünschte, die Worte stießen nicht nur auf taube Ohren und Herzen!
Wednesday, June 28. 2006
Entschuldigung bitte - Irrtum ...
Nein, es ist nicht mir so ergangen ... ich habe keinen Wellensittich! Ich habe "nur" aufgrund der tollen Gesetzeslage in diesem unseren Land mal auf ein törichtes Gesetz hingewiesen - und wie leicht man mit ihm in Konflikt kommen kann als ganz normaler Vogelliebhaber!
Und ich will auch nichts dagegen sagen, dass entsprechende Vorschriften für Züchter notwendig sind - um eine Massenzucht zu verhindern, bei der ganz sicher auch die Wellensittiche leiden, wenn sie in unendlichen Zahlen durch zu kleine Volieren flattern müssen! Von dem Ausbruch bestimmter Vogelkrankheiten, die auch für Menschen gefährlich werden können, ganz zu schweigen ... So kann man davon ausgehen, dass ein "beringter" Sittich aus entsprechender Zucht stammt und ein Vögelchen ohne Ring eben aus illegaler Nachzucht.
Aber es war wirklich nur ein Beispiel, wie es sich allerdings auch schon zugetragen hat. Denn vor dem Neid und der Mißgunst seiner Mitmenschen ist keiner von uns gefeit ...
So bitte kein Mitleid mit mir. Zumindest nicht an dieser Stelle ... Zumal ich zugeben muß, dass mir die gefiederten Tiere nicht ganz geheuer sind und ich immer versuche, einem direkten Kontakt mit ihnen aus dem Wege zu gehen. So war für mich die Ankündigung eines Freundes, meiner Ann-Kathrin zu ihrem 10. Geburtstag ein Wellensittich-Paar aus seiner - legalen - Zucht zu schenken, ein Graus ... aber verbieten wollte ich es auch nicht, da ich die Tierliebe meiner Tochter eigentlich sehr fördere und mir kein vernünftiges Argument gegen dieses Geschenk einfiel. Außer der Tatsache, dass zur damaligen Zeit bereits mein Dackelmädchen, eine Meerschweinchen-Familie und ein Zwerghase bei uns im Haus wohnten und im Garten noch Alfred und Gerda, ein Entenpaar ... Und unser Patenpferd Tamino mußte auch versorgt werden.
Ich gestehe nun hier, dass es ein ganz fieses Vorgehen von mir gab: immer, wenn Anni etwas machen wollte wie z. B. im Garten spielen oder auch mal Fernsehen zu schauen, erlaubte ich es ihr (was bei der knapp bemessenen Zeit zu Hause aufgrund ihrer Ganztagesschule und meines Berufes und der Tierschar jedes Mal ein kleines Fest war ...) mit den Worten: "ja, mach nur. Bald, wenn die Vögelchen erst mal da sind, geht es ja nicht mehr ... dann mußt du dich ja auch um sie kümmern!" Es dauerte nicht lange und Anni wollte anrufen. Und natürlich durfte sie und ich hörte: "du, Armin, ich glaube, die Vögelchen hätten es nicht allzu gut bei mir ...".
Dein kleiner Wellensittich ...
lebt in seinem Käfig so vor sich hin. Er freut sich, wenn du kommst, mit ihm sprichst - er dankt es dir, indem er mit dir spricht, fröhlich durch deine Wohnung flattert, sich in deinen Haaren verfängt und sich dann auf deine Schulter setzt, um dir beim Kochen oder Putzen oder Telefonieren lautstark zu helfen ...
Und irgendwie beschleicht dich das Gefühl, dass auch du dem kleinen Gesellen etwas Gutes tun willst und auch solltest. Kletterburg und Badehäuschen und Vogelvieh aus Plastik erscheinen dir nicht angemessen. Und so kommst du auf die hervorragende Idee, deinem kleinen gefiederten Freund ein Partnerin, eine Artgenossin, zu gönnen. Ein gemeinsames größeres Heim gibt es natürlich auch für das Paar, das ja kraft seiner Ringe an den Beinchen von Mensch aus verheiratet zu sein scheint.
Dein Glück wird vollkommen - beide Vögelchen beginnen mit dem Bau eines Nestchens und legen tatsächlich Eier hinein. Und brüten sie sogar aus ... kleine Wellensittichbabys erpicken sich das Licht der Welt ...
... und dich in den finanziellen Ruin! Denn du hast so tierunlieben Besuch gehabt, dem du voller Stolz die jungen Vögelchen gezeigt hast! Und nun hast du einen Strafbefehl aufgrund einer anonymen Anzeigen wegen illegaler Nachzucht von Wellensittichen am Hals. Einen Strafbefehl über rund 5.000 Eurönchen ...
Tier- und Artenschutz in Deutschland - dem Land, in dem eigentlich geschützte Tiere auch geschützt werden, nur nicht vor den Menschen ...
no comment ...
Monday, June 26. 2006
Ohnmacht über die Bestie Mensch ...
Ich habe es eben erst mitbekommen - und ich habe geweint. Ein junger Braunbär wurde gezielt erschossen, weil er einigen engstirnigen Menschen nicht in ihr Weltbild passte!
Und es war vorsätzlich und mutwillig ... Denn glaubt hier wirklich jemand, dass er je eine Chance in den bajuwarischen Gefilden hatte??? Und wenn er dann auch noch an den Zufall glaubt, dass gestern das finnische Suchkommando mit Betäubungsgewehr abrückte, weil sie seiner nicht habhaft werden konnten - dann habe ich den Menschen gefunden, der an den leibhaftigen Weihnachtsmann glaubt!
Anwohner haben alarmiert - also wäre Zeit gewesen, auch einen Tierarzt mit Betäubungsgewehr mit auf die Pirsch zu nehmen. Aber dann wäre es ja keine Pirsch gewesen ...
Wölfe sind schlauer als Bären. Das kleine Rudel aus der Oberlausitz hat die Verlogenheit in diesem Lande erkannt und sich nach Polen abgesetzt ...



Kommentare
Thu, 03.05.2012 17:07
Liebe Ulrike! Endlich seit [...]
Wed, 02.05.2012 20:55
Danke lieber Wolfgang - es hat [...]
Mon, 30.04.2012 14:27
Ich denke heute ganz doll an [...]