Entschieden - wir werden Herrn Direktor in Ruhe weiterhin intrigieren und lügen lassen. Denn er wird einer der Biologie-Abi-Prüfer sein. So ganz stimmt das allerdings nicht. Denn Anni hat auf der Abschlussfahrt erfahren, dass in ihrer Schulakte der Hinweis steht: leidet unter schweren Depressionen ... bitte??? Kein Hinweis auf Morbus Wilson! Sondern ein Hinweis auf einen Zustand, der schon mal eintritt, wenn sie zu sehr ins Grübeln kommt. Wobei ich das nicht als Depression ausgelegt wissen möchte, sondern als etwas ganz Normales. Oder würde nicht jeder schon mal leiser und nachdenklicher werden, wenn er darüber grübelt, dass sein Leben von Tabletten abhängt. Dass man im schönen Teenie-Alter knapp dem Gevatter Tod von der Schippe gesprungen ist?
Aber die Gedanken werden verdrängt. Denn die Zukunft drängt. Und es fügt sich! Die intensive Suche nach weiterbehandelnden Ärzten war erfolgreich. Am 3. November haben wir einen Termin im Universitätsklinkikum Bonn. Dort sind Morbus-Wilson-Patienten in Behandlung, dort hat man im Frühjahr diesen Jahres ein Institut zur Erforschung seltener Erkrankungen gegründet. Übrigens gibt es aus Heidelberg die Erkenntnis, dass die vermutete Zahl der Betroffenen zwar zwischen 2 und 3tausend liegt; leben tun davon allerdings rund 800 ... Ein Grund mehr, etwas mehr über diese Krankheit zu schreiben - einfach, um sie bekannter zu machen! Aber das nur nebenbei und für die Zukunft ...
Weil ich 'unsere' persönliche Zukunftsmusik gerade spiele - Bonn ist darum der absolute Glücksfall, weil in Bonn auch die Wunsch-Uni von Anni steht. Jura ist geblieben. Der vernünftige Ausrichtungsgrad hat sich geändert. Statt Familienrecht nun europäisches Recht. Was ist für absolut gut halte in der heutigen Zeit. Ein Auslandsstudienjahr hat sie ebenfalls bereits in Planung: Barcelona. Da ihr die spanische Sprache liegt: gut!!!
Ich sehe das alles sehr, sehr gern! Und beginne, auch für mich Zukunftsgedanken zu machen. Weg aus diesem stadtähnlichen Gebilde mit seinen nur in karnevalszeiten kontaktfreudigen Menschen. Weg aus vermufftem Kleinstadtmilieu, in dem am besten schon die Großeltern innerhalb der Stadtmauern geboren wurden, damit die Enkel als Einheimische gelten und für würdig befunden werden, Traditionsvereinen beitreten zu dürfen ... nein, nicht meine Stadt. War es nie, ist es nicht und wird es nie sein! Ihre Ureinwohner sollten mals 'größte' durch 'älteste' ersetzen - vielleicht hätte dann das Stadtgebilde eine Chance auf Erneuerung?
Auch die größte Eiche ist einmal eine Eichel gewesen, die jedes Schwein verschlucken konnte. Arthur Schopenhauer